"Erntedankfest" im niedersächsischen Eschede
Am Samstag, den 26.09.2015 fand auf einem Anwesen im niedersächsischen Eschede ein "Erntedankfest" der Neonaziszene statt.
Die Veranstaltung ist ein fester Bestandteil der “Erlebniswelt Neonazismus” in Norddeutschland.
Das “Erntedankfest” in Eschede dient der Vermittelung von Elementen nationalsozialistischer Ideologie. Die Veranstaltung galt im NS-Staat als eine der wichtigsten nationalen Feiertage welche die Bevölkerung idealistisch und emotional an das Regime anbinden sollte.
Bereits am Vormittag des 26. Septembers 2015 versammelten sich Anhänger*innen der norddeutschen Neonaziszene in Eschede. Der eigentliche Beginn der Veranstaltung war für den frühen Nachmittag vorgesehen.
Neben Anhängerinnen der militanten und Parteifreien Neonaziszene, waren an den Vorbereitungen des Treffens auch Aktivistinnen der NPD und deren Jugendorganisation der “Jungen Nationaldemokraten” (JN) federführend beteiligt.
Neonazistische Fährungskader übernahmen die Einweisung und Einteilung der Vorbereitungsarbeiten.
Aufbauarbeiten am Rande des Veranstaltungsgeländes…
Die Spitze des Fahnenmastes in den Farben “Schwarz, Weiß, Rot” zeugt von der Gesinnung der dort versammelten Teilnehmer*innen.
Die einschlägige Veranstaltung fand nicht zum ersten Mal auf dem Anwesen im beschaulichen Eschede statt. Bereits in den Vorjahren kamen hier immer wieder zu vielfältigen Veranstaltungen der überregionalen Neonaziszene.
Bei dem Besitzer des Bauernhofes handelt es sich um den langjährigen NPD-Funktionär Joachim Nahtz. Hier rechts im Bild.
Unter seiner tatkräftigen Unterstützung konnte sich in den vergangenen Jahren in Eschede ein wichtiger Veranstaltungsort und Knotenpunkt der Neonaziszene etablieren. Joachim Nahtz, hier im Vorfeld einer Gerichtsveranstaltung im niedersächsischen Lüneburg, stellte in der Vergangenheit sein Grundstück etlichen Neonaziorganisationen zur Verfügung.
Joachim Nahtz während einer Veranstaltung auf seinem Gelände im Jahr 2007…
Zu diesem Zeitpunkt veranstaltete die “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) ein sogenanntes “Pfingstlager” auf dem Gelände des Landwirtes in Eschede.
Die HDJ, ein tief in der neonazistischen Szene verwurzelter Jugendverband, wurde im Jahr 2009 durch den damaligen Bundesinnenminister verboten. Auf Zeltlagern wurden bereits Kleinkinder und Jugendliche militärisch gedrillt und einer nationalsozialistischen Erziehung unterworfen.
Unter der Fürung des damaligen HDJ-Bundesvorsitzenden Sebastian Räbiger entwickelte sich die Jugendorganisation zu einer der wichtigsten Organisationen der militanten Neonaziszene der Bundesrepublik.
Ein Grund für das 2009 erfolgte Verbot waren unter anderem “Rasseschulungen” an denen bereits Minderjährige teilnahmen.
Vorrangiges Ziel der HDJ war die Herausbildung von “Kadern” und Fürungspersonen, die später innerhalb der organisierten Neonaziszene das Erlernte weitergeben.
Auch am vergangenen Samstag in Eschede waren bvereits Kleinkinder zugegen, versorgt und betreut von militanten Neonazis.
Das es sich bei der Veranstaltung um ein ideologisch aufgeladenes Erntedankfest handelte, zeigte sich auch in der hier getragenen Lebensrune, ein Symbol das auch zur Zeit des Nationalsozialismus im Kontext des Erntedankfestes Verwendung fand.
Personell wurde die Veranstaltung von der Anwesenheit langjähriger Aktivist*innen der Neonaziszene bestimmt.
Eine Aktivistin aus den Umfeldstrukturen der verbotenen “Heimattreuen Deutschen Jugend” und der niedersächsischen NPD
.. Hier auf einem Neonaziaufmarsch im niederächsischen Bad Nenndorf.
Diese reiste gemeinsam mit Kindern sowie ihrem Ehemann, dem langjährigen Neonaziaktivisten Christian Fischer auf das abseits gelegene Gelände.
Christian Fischer ist mit ideologisch aufgeladener Jugendarbeit vertraut. Handelt es sich bei ihm doch um ein ehemaliges Mitglied der “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ) sowie langjährigen Landesvorsitzenden der “Jungen Nationaldemokraten” in Niedersachsen.
Als treibende Kraft im Zusammenhang mit der nun stattgefundenen Veranstaltung trat der ehemalige NPD Landesvorsitzende Manfred Börm in Erscheinung.
Börm, hier auf einem Aufmarsch im nordrhein-westfülischen Stolberg, war ein führendes Mitglied der 1994 verbotenen “Wiking Jugend” die ebenso wie spüter die HDJ Jugendliche einer nationalsozialitischen Erziehung unterwarf und Schutzbefohlene im Sinne der “Hitler Jugend” unterrichtete.
Das “Erntedankfest” 2015 in Eschede knüpfte mit seiner Ausrichtung an die ideologische Arbeit der Vergangenheit an.
Die unterschwellige Konditionierung von Kleinkindern im Sinne nationalsozialistischer Erziehung konnte am vergangenen Wochende nahezu ungestört vollzogen werden. Gegendemonstrant*innen wurden, wie bereits in den vergangenen Jahren von der Polizei daran gehindert in die Nähe des Veranstaltungsortes zu gelangen. Und dies obwohl sich der Veranstaltungsort an einem öffentlichen Weg befindet.
Zitieren
Recherche Nord: "Erntedankfest" im niedersächsischen Eschede, Eschede, 26.09.2015.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2015-09-26/