Holocaustleugnung und Nationalsozialismus bei der Partei "Die Rechte" in Niedersachsen
Am 27.08.2016 fand im niedersächsischen Nordkampen eine Veranstaltung der neonazistischen Szene statt.
Anreisende TeilnehmerInnen wurden ab den Mittagstunden über den Bahnhof Verden ins etwa 18 Kilometer entfernte Nordkampen (Heidekreis) geschleust.
Bei dem Veranstaltungsort handelte es sich um den Wohnsitz eines bekannten NPD-Aktivisten, der lange Jahre im Umfeld der NPD-Verden aktiv zeichnete und vor einigen Jahren nach Nordkampen in den Heidekreis übersiedelte.
Die Veranstaltung selbst fand in einem eigens errichteten, und weitestgehend abgeschirmten Festzelt statt. AnwohnerInnen wurde zuvor mitgeteilt das es sich bei der Veranstaltung um eine nachgezogene Geburtstagsfeier handele.
Die anreisenden TeilnehmerInnen kamen dabei aus mehreren Bundesländern. Fahrzeuge aus Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland und Hessen befanden sich am Veranstanstaltungsort. Insgesamt nahmen etwa 60 Personen an der Veranstaltung teil.
Das Treffen diente der Unterstützung von Ursula Haverbeck-Wetzel, einer mehrfach verurteiler Holocaustleugnerin sowie der ideologischen Aufstachelung des eigenen Klientels.
Ab 13Uhr begann die Schleusung der anreisenden TeilnehmerInnen. Anreisenden wurde am Bahnhof Verden eine Wegbeschreibung ausgehändigt. Gegen 15Uhr begann dann die eigentliche Veranstaltung.
Als organisatorische Kraft bei der der Vorbereitung der Veranstaltung fungierten der Kreisverband Verden sowie der Kreisverband Rhein-Erft der Partei “Die Rechte”, welche sich beide um das ehemalige Verdener NPD-Stadtratsmitglied Markus Walter (hier Bildmitte) gruppieren. Walter werden dabei szeneintern “beste Kontakte” in Sicherheits- und Behördenkreise nachgesagt.
Gemeinsam mit dem Besitzer des Veranstaltungsortes gehörte Markus Walter am vergangenen Samstag zum eigens eingesetztem Ordnerdienst des Neonazitreffens.
Die Ordnerkräfte waren weithin sichtbar an ihren rot-weiss karierten Hemden auszumachen.
Die “Solidaritätsveranstaltung” wurde begleitet von einem grösserem Rahmenprogramm. Neben mehreren RednerInnen und dem Auftritt von neonazistischen LiedermacherInnen wurde Essen und Alkohol angeboten…Übernachtungsmöglichkeiten inklusive.
Neben dem Auftritt von Maik Krüger, alias “Liedermacher Maik” aus Magdeburg, wurde auch ein Auftritt der neonazistischen “Liedermacherin Karin” (hier im Bild) angekündigt.
Zu den Rednern gehörte unter anderem Thomas Wulff (hier rechts im Bild). Der langjährige Neonazifunktionär gehört derzeit dem NPD-Bundesvorstand an und fungiert darüber hinaus als Landesvorsitzender der NPD-Hamburg.
Die aktive Beteiligung hoher NPD-Funktionäre an der Veranstaltung könnte auch im Hinblick auf das derzeitige NPD-Verbotsverfahren eine gewisse Bedeutung erlangen, und dies nicht nur vor dem Hintergrund das sich die NPD in Nordkampen solidarisch mit einer bekennenden Holocaustleugnerin zeigte.
Bei einem weiteren Redner handelte es sich um Dieter Riefling. In seinem weithin hörbaren Redebeitrag bezeichnete sich, der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassene Riefling als bekennenden und langjährigen Nationalsozialisten. Riefling vertrat in seinem Redebeitrag die Ansicht das im politischem Kampf “Blut fließen” müsse und das dieses im politischem Kampf nicht zu vermeiden sei. Weiter bezeichnete Riefling Adolf Hitler als “letzten frei gewählten Kanzler” und vorbildlichen politischen Akteur.
Dieter Riefling, hier im Gespräch mit dem Veranstalter Markus Walter, trat als Vertretung für den verhinderten Wolfgang Juchem (“Aktion freies Deutschland”) auf. Riefling nutzte die Gelegenheit in Nordkampen um Werbung um für die neonazistische Kampagnendemonstration “Tag der deutschen Zukunft” (TDDZ) zu machen. Diese findet in diesem Jahr in Karlsruhe, Baden-Württemberg statt. Neonazis aus Karlsruhe waren eigens zu dem Zweck angereist um Werbung für die kommende Großdemonstration zu machen.
Das es sich bei der Veranstaltung um eine Versammlung ideologischer “Hardliner” handelte, zeigte sich neben dem Aufgebot der RednerInnen unter anderem auch bei diesem Besucher…
… und Hakenkreuzfahne. Der Wahlspruch der “Waffen-SS” welcher sich ebenfalls auf dem Arm befindet und offen zur Schau gestellt wurde, ist in diesem Blickwinkel verdeckt…
Die Verwendung der Symbolik schien den Kreis der VeranstalterInnen von der Partei “Die Rechte” nicht weiter zu stören. Stattdessen zeigte man sich offen solidarisch und freundschaftlich verbunden.
Zu den TeilnehmerInnen der Veranstaltung gehörte auch Rigolf Hennig, seines Zeichens Bundesvorsitzender der Neonazigruppierung “Europäische Aktion” (EA).
Im Laufe der Veranstaltung informierten AnwohnerInnen wiederholt Behörden und MedienvertreterInnen über die Neonaziveranstaltung. Es kam zu Beschwerden. Die zum Teil volksverhetzenden Redebeiträge sowie die Musik waren weithin hörbar.
Der Redebeitrag von Ursula Haverbeck-Wetzel (hier im Bild) löste schließlich einen Eingriff der Polizei aus, da diese, den Holocaust in ihrem Redebeitrag unter anderem als Lüge bezeichnete.
Polizeibeamte betraten daraufhin das Anwesen und suchten den Kontakt mit dem Besitzer. In naher Umgebung befanden sich zu diesem Zeitpunkt etwa weitere 20 Polizeibeamte die sich auf einen möglichen Einsatz auf dem Anwesen bereit hielten.
Die Soundanlage, sowie ein dazugehörender Computer wurden vorläufig beschlagnahmt. Nach Auskunft eines Polizeisprechers wurden einige Personalien der Teilnehmer festgestellt sowie mehrere Strafanzeigen in die Wege geleitet. Ermittelt werde auch wegen der Verwendung “unerlaubter Symbole”
Der Polizeieinsatz und die Beschlagnahmung sorgte bei den VeranstalterInnen für sichtlichen Unmut…
… man versuchte “moralische” Unterstützung von AnwohnerInnen zu erhalten, die Ihnen jedoch verwehrt wurde.
Die Veranstaltung in Nordkampen wurde dennoch weitergefürt. Noch am späten Abend beschwerten sich AnwohnerInnen über laute Musik und die dort verbreiteten Textzeilen.
Ebenfalls für einen Redebeitrag in Nordkampen angekündigt war der Neonazi Michael Brück aus Dortmund (hier rechts im Bild).
Neben einer Abordnung von Neonazis aus Dortmund waren auch etliche Neonazis aus dem Raum Bremen vor Ort. Hier unter anderem Markus Privenau, welcher auf eine langjährige Zeit in der neonazistischen Szene zurückblicken kann. Derzeit engagiert sich Privenau unter anderem für die Belange der Partei “Die Rechte” in Bremen.
Ebenfalls aus Dortmund wurde ein Büchertisch des neonazistischen “Antisem-Verlag” auf dem Gelände aufgebaut.
Auch aus der Region Hamburg reisten etliche TeilnehmerInnen zu der Veranstaltung nach Nordkampen…
Zitieren
Recherche Nord: Holocaustleugnung und Nationalsozialismus bei der Partei "Die Rechte" in Niedersachsen, Niedersachsen, 27.08.2016.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2016-08-27/