Neonazis demonstrieren in Stade
Am Samstag, den 10.09.2016 fand im niedersächsischen Stade ein Aufmarsch der norddeutschen Neonaziszene statt.
Zu diesem wurden rund 200 AnhängerInnen neonazistischer Parteien sowie der parteiunabhängigen Neonaziszene erwartet.
Die Anreise der TeilnehmerInnen verzögerte sich jedoch, nachdem es zu einem Aufall der S-Bahnen in Folge eines Kabelbrandes gekommen war.
Ursprünglich sollte die Demonstration um 14:00 Uhr beginnen. Mangels anwesender TeilnehmerInnen konnten die angereisten Neonazis jedoch erst ab 16:00 Uhr ihre Demonstration beginnen.
Als Versammlungsleiter trat der Neonazifunktionär Sven Reichert in Erscheinung (Bildmitte). Der NPD-Kandidat für die Kommunalwahl 2016 hatte zuvor in den sozialen Medien die Werbetrommel für die Veranstaltung gerührt.
Als Anmelder fungierte Andreas Haack (Bildmitte). Haack bekleidet derzeitig das Amt des stellv. Organisationsleiters der NPD-Niedersachsen und tritt ebenso wie Reichert bei der niederächsischen Kommunalwahl als Kandidat der NPD an.
Obwohl beide ihre politische Heimat in der NPD-Niedersachsen haben, war die Veranstaltung als parteiunabhängige Veranstaltung deklariert worden. Den Hintergrund dazu bildete der Versuch, das zuletzt zusammenbrechende Bündnis parteifreier Neonazis, sogenannte “Freie Nationalisten” und der NPD in Norddeutschland zu reaktivieren.
Ebenfalls vor Ort: der langjährige Neonaziaktivist Thomas Wulff, welcher zuletzt medienwirksam aus der NPD ausgetreten war und bis dahin das Amt des Landesvorsitzenden der NPD-Hamburg bekleidete.
Auch der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD-Niedersachsen, Ingo Helge, war mit einem Lautsprecherfahrzeug in Stade vor Ort.
Die im Vorfeld groß angekündigte Demonstration kam mangels TeilnehmerInnen jedoch nicht in Fahrt. Eine Stunde nach Veranstaltungsbeginn konnten die Veranstalter lediglich eine Handvoll Neonazis in Stade willkommen heißen.
Zu diesem Zeitpunkt machte sich bereits phasenweise Resignation unter den TeilnehmerInnen breit.
Die wenigen Neonazis, welche sich nach Stade bewegten, konnten nur unter massivem Polizeischutz zum Veranstaltungsort gelangen.
Als etwa 50 TeilnehmerInnen zusammengekommen waren, gab es von den anwesenden Neonazis Beifall…
Auch ein Neonazis aus Dänemark, Anhänger der “Dänischen Nationalsozialistischen Bewegung” (DNSB) gelangte mit den anreisenden TeilnehmerInnen zum Platz der Auftaktkundgebung.
Die Veranstaltung lief unter dem Label “Gemeinsam für Deutschland” (GfD). Unter besagtem Label versuchen Neonazis aus Norddeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und dem östlichen Mecklenburg-Vorpommern) neue Vernetzungsstrukturen zu etablieren.
So war es auch kein Zufall das ein großer Teil der TeilnehmerInnen aus dem Bereich Hamburg..
… und Schleswig-Holstein kam. Aus Niedersachsen folgten nur wenige Neonazis dem Aufruf der Veranstalter.
Der Anmelder der Neonazidemonstration, Andreas Haack, beim Verlesen der Auflagen.
Als erster Redner trat der Neonazi Mark Michael Proch ans Mikrophon. Proch hatte einige Monate zuvor unter dem Label “Gemeinsam für Deutschland” (GfD) bereits eine Demonstration in Bad Oldesloe (Schleswig-Holstein) angemeldet
Zu diesem Zeitpunkt wurden einheitliche Hemden an einen Teil der DemonstrationsteilnehmerInnen ausgehändigt. (Hier an Sven Reichert)
Die Hemden waren jeweils vorne im Brustbereich zuwie auf der Rückenansicht mit dem Schriftzug “Sektion Nordland” versehen. Die Bezeichnung “Nordland” spielt dabei auf eine gleichnamige “SS-Freiwilligen Division” an. In Hamburg / Schleswig-Holstein existiert bereits eine Jugendgruppe der NPD (Junge Nationaldemokraten) gleichen Namens. Die “Sektion Nordland” bezog sich in Stade auf die Strukturen von “Gemeinsam für Deutschland” und steht mit der JN nur temporär in Verbindung. Ziel der VeranstalterInnen ist vielmehr die Schaffung eigenständiger GfD-Strukturen.
Die TeilnehmerInnen der Veranstaltung traten auch sonst überwiegend in gleichartiger Kleidung in Erscheinung. Neonazis aus Schleswig-Holstein traten dabei auch unter dem Label “Aktion gegen Deutschfeindlichkeit” (AgD) auf.
Auf den Redebeitrag von Mark Michael Proch folgte dann eine weitere Rednerin aus Schleswig-Holstein.
Lennart Schwarzbach von der NPD Hamburg machte ebenfalls seine Aufwartung in Stade.
Die Begeisterung der Zuhörerschaft während der Redebeiträge hielt sich jedoch in Grenzen. Etliche TeilnehmerInnen hielten sich Abseits der RednerInnen auf.
Gegen 16:10Uhr konnte dann die eigentliche Demonstration der Neonazis beginnen.
Kurzfristig stand zur Debatte ob die mitgefürte Lautsprecheranlage eingesetzt werden dürfe. Die Anzahl der TeilnehmerInnen belief sich, anstatt der 200 Angemeldeten, auf etwas mehr als 50 Personen. Die Nutzung eines Lautsprecherfahrzeuges ist an die Anzahl von mindestens 50 Personen gekoppelt. Diese Anzahl wurde am Ende nur knapp erreicht.
Der Versammlungsleiter Sven Reichert steuerte derweil das Lautsprecherfahrzeug.
Martin Zaha, seines Zeichens NPD-Kandidat für die Kommunalwahl 2016 in Niedersachsen agierte als Ordner.
Mit Swen Treuel aus Bremervörde nahm ein weiterer NPD-Kandidat zur Kommunalwahl in Niedersachsen an dem Aufmarsch teil.
Antifaschistischen GegendemonstratInnen gelang es mit einer Sitzblockade einen Teil der Wegstrecke zu blockieren. Die Zwischenkundgebung der Neonazis musste daraufhin an anderer Stelle abgehalten werden.
…Die DemonstrationsteilnehmerInnen werden über den ungeplanten Zwischenstop informiert.
Als Redner trat zu diesem Zeitpunkt der bekennende Nationalsozialist Thomas Wulff ans Mikrophon.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD-Niedersachsen beteiligte sich hingegen nicht am Aufmarsch durch Stade. Ingo Helge verweilte den Aufmarsch hindurch am Ort der Auftaktskundgebung, wwelcher auch den Schauplatz für die Endkundgebung bildete.
Die beiden letzten Redebeiträge kamen von Ingo Helge…
Zitieren
Recherche Nord: Neonazis demonstrieren in Stade, Stade, 10.09.2016.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2016-09-10/