Neonaziaufmarsch in Köln
Am 14. Januar 2017 fand unter dem Motto: "Keine Gewalt gegen Deutsche" ein Aufmarsch der Neonaziszene in Köln statt.
Die Veranstaltung wurde zuvor primär über die sozialen Medien beworben. In dem Aufruf hieß es, dass sich die Veranstaltung, gegen die “verbrecherische Politik […] gegen die einheimische Noch-Mehrheitsbevölkerung des weißen europäischen Ursprungs”. An anderer Stelle schreibt die nationalsozialistische Gruppe: “Wir sehen uns auf der Straße, denn unsere Armlänge Abstand ist die deutsche Faust!”
Zu dem Aufmarsch hatten sich etwa 150 Anhänger*innen der neonazistischen Szene angekündigt.
Unter den nach Köln gereisten Neonazis befand sich auch der Neonazifunktionär Jens Wilke, seines Zeichens NPD-Kandidat zur vorangegangenen Landratswahl für Göttingen und zur Wahl des Kreistages in Göttingen. Wilke gilt als eine der führenden Kräfte hinter den Vernetzungsstrukturen der Neonaziorganisation “Freundeskreis Thüringen und Niedersachsen”
Wilke gehörte zu einer kleinen Reisegruppe von Neonazis aus Niedersachsen. Unter diesen befand sich auch Mario Messerschmidt der die Jahre 2009 bis 2014 im Gefängnis verbrachte. Messerschmidt war wegen Verstoßes gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz sowie wegen Bedrohung und Beleidigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.
Messerschmidt gehört zu den Führungsfiguren des Neonazi-Tarnvereins “Unser Flecken e. V.” aus dem niedersächsischen Adelebsen. Der Verein hat sich, nach Eigenangaben von Messerschmidt inzwischen dem Netzwerk der neonazistischen Vernetzungsgruppierung “ThügIdA” angeschlossen.
Rechts im Bild: Jan Fartas, Anmelder des nun in Köln stattgefundenen Neonaziaufmarsches. Ihm zur Seite stand Johannes Welge, noch bis vor kurzem Vorsitzender des Hildesheimer Kreisverbandes der neonazistischen Partei “Die Rechte”.
Ebenfalls aus dem fernen Niedersachsen nach Köln gereist war Christopher Siedler. Der Führungsaktivist der Neonazigruppierung “Nationaler Widerstand Nienburg / Weser” und der “Sektion Nienburg” des “Freundeskreises Thüringen und Niedersachsen” sowie Anti-Antifa-Fotograf agierte wie bereits bei vorangegangenen Veranstaltungen in der Rolle eines Pressefotografen und versuchte politische Gegnerinnen wie anwesende Pressevertreterinnen zu dokumentieren.
Anreisende Demonstrationsteilnehmer*innen wurden in einem eigens bereitgestellten Kontrollzelt durch die Polizei durchsucht. Dies führte zu einer zeitlichen Verzögerung der Neonaziveranstaltung, woraufhin die Veranstaltungsleitung den Beginn der Demonstration auf einen späteren Zeitpunkt verschob.
Auch der bekannte Neonaziaktivist Siegfried Borchert, alias “SS-Siggi”, mischte sich unter die Teilnehmer*innen.
Die Bereitschaft zur Teilnahme hielt sich zusammenfassend in engen Grenzen. Insgesamt nahmen etwa 85 Neonazis am Demonstrationszug teil. Hinzu kam, dass etliche Neonazis noch vor Beginn des Demonstrationszuges den Veranstaltungsort bereits verließen. Dortmunder Neonazis stellten zwar ein Lautsprecherfahrzeug. Deren Teilnahme war aber, wie am Rande der Veranstaltung eingeräumt wurde, dem Zweck geschuldet Unterschriften für die neonazistische Partei “Die Rechte” zu sammeln, damit diese bei den kommenden Wahlen antreten könne.
Bildmitte: Der Neonaziaktivist Klaus Schäfer, ehemaliger Chef der Dortmunder Feuerwehr sowie Leiter des städtischen Instituts für Feuerwehrtechnologie
Der führende Kölner Neonaziaktivist Paul Breuer beim Verlesen der Auflagen.
Als erster Redner der Veranstaltung trat dann der eingangs erwähnte Mario Messerschmidt in Erscheinung. Dessen Redebeitrag wurde, so die Veranstalter vorgezogen, da Messerschmidt die Veranstaltung wieder verlassen wollte. Mit ihm verließ dann, noch vor dem eigentlichen Beginn des Demonstrationsumzuges, nahezu die gesamte niedersächsische Reisegruppe den Ort des Geschehens.
Bereits nach wenigen Metern musste der Demonstrationszug der Neonazis erstmals stoppen. Dieser Neonazi hatte zuvor den Arm zum Hitlergruß erhoben. Die Veranstaltungsleitung schloß den Neonaziaktivisten daraufhin, auch auf nachdrückliche Aufforderung durch die eingesetzten Polizeikräfte, von der Demonstration aus.
Auch dieser Neonazi wurde durch die Polizei von der Veranstaltung ausgeschlossen. Zuvor hatte dieser einen Pressefotografen mit einer Fahnenstange attackiert.
Letztlich konnte die Teilnehmerinnen des Demonstrationszuges lediglich etwa 500 Meter weit marschieren. Ab diesem Zeitpunkt verhinderte eine Blockade von Gegnerinnen ein Weiterkommen der Neonazis.
Zitieren
Recherche Nord: Neonaziaufmarsch in Köln, Köln, 14.01.2017.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2017-01-14/