NPD-Treffen mit Nazirock in Karlshöfen
Am vergangenen Samstag, dem 17.02.2018 fand im niedersächsischen Karlshöfen (Landkreis Rotenburg Wümme) eine Veranstaltung der NPD-Niedersachsen statt.
Anreisende Teilnehmer*innen wurden über den Autohof Bockel an der A1 zum späteren Veranstaltungsort geschleust. Hier, auf dem Anlaufpunkt in Bockel, erhielten anreisende Neonazis die entsprechenden Koordinaten des Veranstaltungsortes im etwa 30 Kilometer entfernten Karlshöfen.
Der Schleusungs- bzw. Anlaufpunkt wurde für etwa eine Stunde aufrecht erhalten. Unbemerkt blieb das Vorgehen der NPD jedoch nicht. Ein starkes Polizeiaufgebot befand sich ebenfalls am Autohof Bockel und beobachtete das Geschehen.
Veranstaltungsteilnehmer*innen welche zuvor den Schleusungspunkt aufsuchten wurden wenige Kilometer später von der Polizei gestoppt, Fahrzeuge und Insassen wurden kontrolliert.
Bei dem eigentlichem Veranstaltungsort handelte es sich um den sogenannten “Dancing Club” in Karlshöfen. Der an die Discothek angrenzende Parkplatz wurde von Ordnerkräften der NPD bewacht, welche die Einweisung der anreisenden Fahrzeuge übernahmen.
Die Betreiber der Discothek distanzierten sich im Nachhinein von der Veranstaltung. Auf persönliche Nachfrage erklärten diese, dass sich die NPD-Niedersachsen unter “falschen Voraussetzungen” in der Discothek eingemietet habe. Es sei im Vorfeld lediglich von etwa 150 Personen die Rede gewesen, “welche nett zusammen feiern wollten”. Eine angekündigte Anzahl von Teilnehmer*innen, welche die NPD übrigens am Ende des Tages weit unterbot.
Die Veranstaltung vom vergangenem Wochenende diente primär dem inneren Zusammenhalt der neonazistischen Partei und stand unter dem Motto “Krise - Eingebildet oder Real”. Motivation können diese nach Ansicht ihres Führungspersonals gut gebrauchen. Angesicht der zuletzt sprunghaft angestiegenen Wahlerfolge der “Alternative für Deutschland” (AfD), dem seit Jahren anhaltendem Rückgang ihrer Mitgliedzahlen droht der PArtei ein Sturz in die politische Bedeutungslosigkeit.
Seit Monaten häufen sich in Niedersachsen Berichte aus dem Inneren der Partei, in denen sich die Verfasser*innen darüber beklagen, dass etliche Mitglieder der Parteiorganisation inzwischen den Rücken kehren und sich stattdessen subkulturellen Strukturen anschließen oder sich gar gänzlich zurückziehen würden.
Ein Umstand, der sich in Niedersachsen nach dem letzten NPD-Landesparteitag am 28.05.2017 im niedersächsischen Petersdorf, bei welchem ein Generationswechsel an der Spitze des niedersächsischen NPD vollzogen wurde, noch verstärkte.
Die mangelnde Mobilisierungsfähigkeit der NPD-Niedersachsen konnte auch am vergangenen Wochenende beobachtet werden: statt der angekündigten 150 Personen kamen lediglich etwa 80 Personen im niedersächsischen Karlshöfen zusammen. Allerdings teilten einige der angereisten Personen mit, dass sie keineswegs wegen der NPD und ihrer politischen Programmes nach Karlshöfen gereist seien. Vielmehr sei man aufgrund des ebenfalls angekündigten Auftritt des neonazistischen Musikers Michael Regener (“Lunikoff”) nach Karlshöfen gereist.
Neonazis aus der Region Lüneburg während der Anreise zur Veranstaltung.
Auch Mitglieder der NPD-Oldenburg nahmen die Reise nach Karlshöfen auf sich. Unter diesen befand sich mit Ulrich Eigenfeld auch der bis 2017 amtierende niedersächsische NPD-Landesvorsitzende (hier nicht im Bild)
Neben dem Personal der neonazistischen NPD nahmen auch Anhänger*innen sogenannter “Freier Nationalisten”, (parteilose Neonazis) wie unter anderem der langjährige Anti-Antifa-Aktivist Andreas Hackmann (Bildmitte) an der Veranstaltung teil.
Als offizieller Veranstaltungsbeginn wurde im Vorfeld 13Uhr bekannt gegeben.
Trotz dieser Krise mit welcher sich die NPD konfrontiert sieht, waren nur wenig Kader und Führungspersonen der NPD-Niedersachsen am vergangenen Wochenende in Karlshöfen vertreten. Neonazis aus der Region Zeven, Rotenburg und Bremervörde, in deren Region die Veranstaltung stattfand, fehlten fast gänzlich.
Mitglieder der NPD Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” - welche sich nach einer zuletzt erfolgten Namensänderung nun “Junge Nationalisten” nennen.
Zum Organisationskreis des NPD-Treffens in Karlshöfen gehörte unter anderem das Northeimer NPD-Mitglied Gianluca Bruno (Bildmitte). Seit dem vergangenem Jahr ist dieser ebenfalls als Beisitzer im Landesvorstand der NPD-Niedersachsen vertreten. Neben dem Sicherheitsdienst und Teilen des Veranstaltungsablaufs kümmerte sich Gianluca Bruno auch um die Koordinierung der Anreise. Anreise Teilnehmer*innen konnten sich an ihn telefonisch wenden wenn diese sich verfuhren oder sich verspäteten. Eine entsprechende Telefonnummer wurde im Vorfeld bekannt gegeben.
Als eigentlicher Netzwerker im Vorfeld der Veranstaltung gilt hingegen der thüringische NPD-Landesvorsitzende und stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende Thorsten Heise welcher in Karlshöfen mit seiner Familie erschien.
Neben Familienmitgliedern wurde Thorsten Heise von weiteren NPD-Aktivisten begleitet. Heise nutze die Veranstaltung, bei welcher sich die NPD-Niedersachsen mit der Krise auseinandersetzen wollte, auch für profane Zwecke wie dem eigenem Gelderwerb. So entluden Neonazis vor Veranstaltungsbeginn Kistenweise Propaganda- und Musik-CDs welche im Verlauf der Veranstaltung käuflich erworben werden konnten.
Auch wenn die NPD von einer organisatorischen Krise betroffen scheint - eine finanzielle Krise, welche ihn persönlich betreffen würde scheint Thorsten Heise mit dererlei Veranstaltungen zumindest vorzubeugen.
Gianluca Bruno gilt dabei als politischer Ziehsohn von Thorsten Heise.
Ebenfalls nach Karlshöfen gereist war Manfred Börm. Der langährige Leiter des NPD-Bundesordnerdienstes und zeitweiser Landesvorsitzende der NPD-Niedersachsen betreute wärend des NPD-Treffens unter anderem einen Verkaufsstand der neonazistischen Hilfsorganisation “Gefangenhilfe”. Diese übernimmt seit dem Verbot der “Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene” (HNG) die Betreuung und Unterstützung verurteilter Straftäter*innen aus der Neonazisszene.
Mit Steffen Holthusen war auch ein Funktionär der Hamburger Neonaziszene in die niedersächsische Provinz gereist. Holthusen gilt dabei als Strippenzieher in der Vernetzung zwischen NPD und parteifreien Neonazis.
Auch das NPD-Gründungsmitglied Adolf Dammann vom NPD-Unterbezirk Stade gehörte zu den Teilnehmer*innen.
Bildmitte: Lennart Schwarzbach, seines Zeichens Landesvorsitzender der NPD-Hamburg.
Bereits vor Beginn der Veranstaltung standen für die Teilnehmer*innen alkoholische Getränke zur Verfügung.
Ein Umstand, der von der angereisten Neonazis dankend angenommen wurde.
Die Krisenbewältigungsstrategien bzw. der Alkoholkonsum der NPD-Anhängerschaft und parteifreier Neonazis stieß jedoch nicht nur auf Zustimmung. Im Verlauf der Veranstaltung kam es angesichts der alkoholisierten Teilnehmer*innen immer wieder zu Unmutsäßerungen.
So reisten einige Teilnehmer*innen aufgrund der offen zu Tage tretenden “Undisipliniertheit” bereits im Vorfeld ab.
Unter Discokugeln: der Veranstaltungsraum des NPD-Krisentreffens
Ulrich Eigenfeld (braune Jacke) im Gespräch mit dem als Redner angekündigtem Ingo Stawitz (NPD Schleswig-Holstein) an der Cocktail-Bar.
Der Infostand der “Jungen Nationalisten” (NPD-Jugendorganisation)
Der Infostand der “Gefangenhilfe”. Zum Angebot gehörte der Verkauf von Rauchutensillien.
Der als Redner angekündigte Pastor Friedrich Bode während der Abreise. Das ehemalige Mitglied der Partei “Die Grünen” referierte zum Thema “Hat es den moralischen Urknall gegeben und gibt es noch ein fassbares Echo”. Ohne umfangreiche Kenntnis der Kirchengeschichte war sein Vortrag allerdings nur schwer zu verstehen, wie mehrere NPD-Mitglieder im Nachgang berichteten. Der Auftritt von Friedrich Bode war indes auf seine persönliche Bekanntschaft mit dem derzeitigen Landesvorsitzenden der NPD-Niedersachsen Manfred Dammann zurückzuführen. So war Manfred Dammann bevor er sich den Strukturen der NPD zuwendete selbst Mitglied der Partei “Die Grünen” gewesen.
Der ehemalige Mitarbeiter der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag Nils Larisch. Der Betreiber eines neonazistischen Internetversands begleitete Michael Regener (aka Lunikoff) zu seinem Auftritt im Rahmenprogramm des NPD-Treffens.
Auch Nils Larisch nutze die Gelegenheit um aus der “NPD-Krisensitzung” Kapital zu schlagen. Auch er steuerte einen Verkaufsstand bei.
Die Bezeichnung “Brigade 12” bezieht sich auf die Neonaziorganisation “Arische Bruderschaft”.
Rechts im Bild: Manfred Dammann, derzeitiger Landesvorsitzender der NPD-Niedersachsen und Verantwortlicher des Medienprojekts “Nordland TV”.
Gegen 22:00 Uhr verließen die Teilnehmer*innen den Veranstaltungsort. Eine Fortführung in Karlshöfen war nicht mäglich. Im Anschluß an die NPD-Veranstaltung fand in den Räumlichkeiten der Discothek ein Kohlball statt.
Zu den letzten Teilnehmer*innen am Veranstaltungsort gehörte der langjährige Neonaziaktivist Henrik Ostendorf (hier rechts im Bild)
Auch Heranwachsende nahmen an der Veranstaltung teil.
Der Nazimusiker Michael Regener (hier nicht im Bild) und Nils Larisch sowie weitere Neonazis reisten im Anschluß in den Landkreis Harburg.
Zitieren
Recherche Nord: NPD-Treffen mit Nazirock in Karlshöfen, Karlshöfen, 17.02.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-02-17/