Neonazitreffen "Eichsfeldtag" 2018
Am vergangenem Wochenende fand im thüringischen Leinefelde der sogenannte "Eichsfeldtag" statt.
Wie bereits in den Vorjahren übernahmen Neonaziaktivisten aus den Strukturen der Neonazivereinigung “Arische Bruderschaft” (AB) den einen Teil des Aufbaus am vergangenen Wochenende.
Die “Arische Bruderschaft” agiert im Umfeld des Thüringischen NPD-Landesvorsitzenden Thorsten Heise und gilt wie “Blood & Honour” (im Jahr 2000 verboten) und “Combat 18” als organisatorisches Netzwerk der “White-Power Musikszene”.
Mitglieder der Neonazigruppierung “Sons of Asgard” (SoA). Die Gruppierung bezeichnet sich als “Bruderschaft” und orientiert sich am Habitus organisierter Motorradgruppen insbesondere den sogenannten Outlaw MC’s.
Bildmitte: Gianluca Bruno. Das Mitglied im niedersächsischen NPD-Landesvorstand trat bereits ebenfalls im Zusammenhang mit der “Arischen Bruderschaft” wie auch der neonazistischen “Kameradschaft Northeim”, welche sich ebenfalls um den Neonazifunktionär Thorsten Heise gruppiert in Erscheinung. Im Januar 2016 soll Bruno an einem Angriff von etwa 200 Neonazis auf den linksalternativen Stadtteil Connewitz in Leipzig beteiligt gewesen sein. Im April diesen Jahres soll Bruno an einem Überfall auf zwei Fotografen beteiligt gewesen sein bei dem diese schwer verletzt wurden.
Vor dem offiziellem Beginn der Veranstaltung hatten die Organisatoren mit technischen Problemen zu kämpfen. Eine Hüpfburg versagte den Neonazis den Dienst.
Nachdem sich der “Eichsfeldtag” in den letzten Jahren zu einem regelrechten “Festival” entwickelte, wurde in diesem Jahr das Rahemprogramm deutlich abgespeckt. Man wolle sich zu einer “Familienveranstaltung weiterentwickeln”. Eine Entwicklung die nicht überrascht. Gehört der Kreis um Thorsten Heise doch zu den Organisatoren des sogenannten “Schild & Schwert”-Festivals" welches in diesem Jahr erstmals im sächsischen Ostritz veranstaltet wurde.
Die “Weiterentwicklung” des “Eichfeldtages” zu einem Familienevent hatte auch in diesem Jahr auch Konsequenzen im Bezug auf die Anzahl der Teilnehmer*innen. Während sich deren Anzahl in den vergangenen Jahren bei etwa 400 Personen bewegte wurden in diesem Jahr ca. 160 Neonazis gezählt werden.
Der ehemalige Aktivist der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” (JN) Lasse Bruno Krüger während des “Eichsfeldtages”. Nachdem Krüger in den vergangenen Jahren durch eine Vielzahl von Organisationen tingelte widmet sich der aus Lüneburg stammende Neonazi nunmehr dem Bereich Rechtsrock und ist in jüngster Zeit vor allem im Kontext neonazistischer Musikveranstaltungen anzutreffen.
Im Zuge des “Eichsfeldtages” betätigte sich Krüger als Verkäufer von Devotionalien von “White-Power-Musik” und Szenedevotionalien.
Ebenfalls vor Ort: Vertreter des “Nationalen Sanitätsdienstes” (NS).
Während in den Vorjahren jeweils mehrere einschlägige Musikgruppen der Neonaziszene einen Auftritt in Leinefeld absolvierten, wurde das Musik-Program in diesem Jahr deutlich abgespeckt. In diesem Jahr sollten lediglich Liedermacher einen Auftritt absolvieren.
Auch die Liste der angekündigten Rednerinnen wurde im Vergleich zu den Vorjahren deutlich abgespeckt. Lediglich Martin Lopotsch (NPD-Kreisvorsitzender Eichsfeld), Matthias Fiedler (NPD Eichsfeld), Gianluca Bruno (Mitglied im Landesvorstand der NPD Niedersachsen) sowie Antje Mentzel-Karnatz (Bundesvorsitzende des “Rings Nationaler Frauen” (RNF) innerhalb der NPD) waren im Vorfeld als Rednerinnen angekündigt. Thorsten Heise fehlte hingegen auf der Rednerliste.
Teilnehmer mit rassistischem Propaganda-Shirt. Als Urheber der rassistischen Motive gilt Sven Liebich aus Halle, welche diese unter anderem als Aufkleber über einen Versandhandelt vertreibt.
Damit konfrontiert und indoktriniert wurden während des “Eichfeldtages” bereits Kleinkinder. Die zuständigen Behörden sahen im Vorfeld keinen Anlass das Gelände für Minderjährige zu sperren.
Eine Entscheidung ganz im Sinne der Veranstalter*innen. Hieß es doch auf einem mitgeführten Transparent “Erziehung ist Arbeit”.. und somit konnten hier bereits an Kleinkinder ungestört ein nationalsozialistisches und rassistisches Weltbild vermittelt werden.
Axel Schlimper, seines Zeichens ehemaliger Gebietsleiter der “Europäischen Aktion” (EA). Die Organisation, welche sich zu einem Sammelbecken von Holocaustleugner*innen entwickelte und personelle Verbindungen zur, im Jahr 2009 verbotenen “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ) besaß, wurde inzwischen durch ihre Mitglieder aufgelöst.
Marco Borrmann von der “Kameradschaft Northeim” beim Verlesen der Auflagen.
Mitglieder der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationaldemokraten” (JN) während der VEranstaltung am vergangenem Wochenende.
Martin Lopotsch, vom NPD-Kreisverband Eichsfeld während eines Redebeitrages. Neben der NPD agiert Lopotsch in den Strukturen der neonazistischen “Kameradschaft Northeim”
Bildmitte: Sascha Krolzig, seines Zeichens Bundesvorsitzender der Neonazipartei “Die Rechte”. Krolzig bewarb während der Veranstaltung die von ihm herausgegebene Zeitzschrift “N.S. Heute”.
Die derzeitige Bundesvorsitzende des “Rings Nationaler Frauen” (RNF) Antje Mentzel-Karnatz.
Zitieren
Recherche Nord: Neonazitreffen "Eichsfeldtag" 2018, Leinefelde, 01.09.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-09-01-2/