Neonazi-Konzert in Veltheim
Am 24.03.2018 fand in Veltheim (Porta-Westfalica) ein Konzert der Neonaziszene statt.
Anreisende Neonazis wurden von Einsatzkräften der Polizei kontrolliert. Eine entsprechende Kontrollstelle wurde um 17:20 Uhr errichtet. Zu diesem Zeitpunkt war ein Teil der angereisten Neonazis allerdings bereits vor Ort. Allerdings gelang es den Behörden anreisende Musiker (hier Jens Brucherseifer) zu kontrollieren.
Die Veranstaltung fand auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei in einem Veltheimer Wohngebiet statt. Sie wurde vor zwei Jahren von Neonaziaktivisten Marcus Winter angemietet und soll seitdem als Treffpunkt für Neonazis aus der Region dienen. Auch die Neonazi-Gruppierung “Mindener Jungs” sowie Akteure der neonazistischen Kleinstpartei “Der Dritte Weg” sollen die Immobilie nutzen, die Winter offiziell als Boxclub bzw. Trainingsraum bezeichnet. Inwieweit diese Räumlichkeiten baurechtlich für Konzerte geeignet sind sei dahingestellt.
Es handelte sich dabei um ein Konzert von Mitgliedern der Neonazi-Musikgruppe “Sturmwehr” im Rahmen einer sogenannten “Akustiktour 2018”. Diese beinhaltete den Auftritt des Sturmwehr-Sängers Jens Brucherseifer (links) und des Gitarristen Martin Böhne (rechts).
Die Musiker von “Sturmwehr” um ihren Sänger Jens Brucherseifer (hier am 29.07.2017 in thüringischen Themar) hatten sich zuletzt dazu entschieden nicht mehr gemeinsam Konzerte zu geben. Auch ein für den April im sächsischen Ostritz geplanter Auftritt im Rahmen des Neonazifestivals “Schild und Schwert” wurde inzwischen abgesagt.
Auch ohne diese vorangegangene Entwicklung wären weitere Bandmitglieder von “Sturmwehr” am vergangenen Wochenende wohl verhindert gewesen. So zum Beispiel Marco Eckert (Bildmitte) welcher an einer Veranstaltung in hessischen Wetzlar teilnahm und sich zeitweise mit dem Anliegen der dortigen Polizei auseinandersetzen musste.
Als Veranstalter des nun in Veltheim stattgefundenen Konzerts trat der langjährige Neonaziaktivist Marcus Winter in Erscheinung (rechts im Bild), welcher bereits in der Vergangenheit für die Organisierung einschlägiger Konzertveranstaltungen verantwortlich zeichnete. Ihm zur Seite stand Dirk Fasold (links im Bild) welcher ebenfalls über enge Verbindungen in die Rechtsrockszene verfügt. Bis zum Verbot ihrer Organisationsstrukturen im Jahr 2000 agierte Fasold als Sektionsleiter Westfalen des “Blood & Honour”-Netzwerks.
Markus Winter (hier am 15.07.2017 im thüringischen Themar) gilt als umtriebiger Netzwerker im Hintergrund, der zuletzt auf öffentliche Auftritte weitestgehend verzichtet hat.
Die politische Bewertung der Veranstaltung (hier der Konzertflyer) steht indes noch aus. Angesichts der organisatorischen Hintergründe steht die Frage im Raum warum die Polizei Teilnehmer*innen zwar kontrollierte, die Durchführung des Konzertes jedoch nicht verhinderte.
So wurde die Veranstaltung von dem in Deutschland verbotenem Netzwerk von “Blood & Honour” beworben und kann somit deren Strukturen zugerechnet werden. Warum “Blood & Honour” in Nordrhein-Westfalen, trotz Verbot, nun wieder Veranstaltungen unter den Augen der Behörden durchführen kann ist bislang nicht bekannt.
Zitieren
Recherche Nord: Neonazi-Konzert in Veltheim, Veltheim, 24.03.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-03-24/