Die Rechte in Braunschweig
Am 20.2.2021 fand in Braunschweig eine Demonstration des Kreisverbandes Braunschweig -Hildesheim der Partei „Die Rechte“ statt.
Anmelder der Demonstration war Christian Worch (hier beim Verlesen der Auflagen), ohne dessen Unterstützung die Parteistrukturen in Braunschweig wohl kaum in der Lage wären eine solche Demonstration durchzuführen.
Wie auch bei den vergangenen Kundgebungen der Braunschweiger „Rechten“ stellte der niedersächsische Landesvorsitzender der Partei auch dieses Mal wieder sein Fahrzeug als Lautsprecherwagen zur Verfügung: eine nicht nur für die lokalen Strukturen nützliche Symbiose. Worch und Niemann, beide ohne Gruppenanbindung quasi im freien Raum schwebend, sehen in solchen Veranstaltungen eine Möglichkeit in die Öffentlichkeit zu treten.
Mit 55 Teilnehmer*innen bewegte sich die Demonstration am unteren Rand der angemeldeten Teilnehmerzahl. Ohne die angereisten Gruppierungen aus Magdeburg und Erfurt (hier im Bild) wäre die Demonstration nicht einmal halb so stark gewesen.
Die Teilnehmerzahl aus der eigenen Struktur lag unter 10 Personen und zeigt deutlich den Weg, auf dem die „Die Rechte“ nicht momentan befindet: im Sinkflug. Nicht nur in Niedersachsen zeigen sich diese Auflösungserscheinungen.
Mit Unterstützung von Dortmunder Kamerad*innen, die im letzten Jahr noch selbstverständlich war, ist nicht mehr zu rechnen. Die Dortmunder Struktur ist augenblicklich durch die zahlreichen Inhaftierungen sowie die Absetzbewegungen einiger führender Kader in den Osten so stark geschwächt, dass es ihr sogar schwer fällt eigene Aktionen durchzuführen.
Aus Erfurt reiste eine größere Reisegruppe um Michael Fischer an. Fischer, der in den letzten 10 Jahren in unterschiedlichsten Gruppierungen aktiv war, war in erster Linie gekommen , um mit der „Nationalen Stärke Erfurt (NSE)“ für die Demonstration am 1.Mai 2021 in Erfurt zu werben. Eine weitere Unterstützung für die Braunschweiger, die über diesen Samstag hinaus führt, ist daher nicht zu erwarten.
Johannes Welge, der Kreisvorsitzende, zeigte bei seiner Rede auf der Zwischenkundgebung wie auch bei seinen Redebeiträgen während der Demonstration deutlich, wie realitätsfern auch seine Wahrnehmung der Stärke seiner Partei und insbesondere seiner örtlichen Struktur ist. Inhaltliche Aussagen waren von ihm nicht zu hören…
… ebenso wenig wie von Holger Niemann. Niemann, der seine Rede mit den Worten begann, dass er eigentlich gar nicht hatte reden wollen, endete nach wenigen Sätzen mit einer Ankündigung, die eigentlich über Jahrzehnte hinweg zum Repertoire von Christian Worch gehörte: immer und immer wiederkommen zu wollen.
Auch Christian Worch ergriff bei der Zwischenkundgebung noch einmal das Wort. Da er hauptsächlich nur wiederholte, was schon seine Vorredner erzählt hatten, hielt sich auch hier – wie schon bei Welge und Niemann - der Beifall eher in Grenzen.
Wie üblich wurden die Auflagen für die Demonstratiom (Abstände, Tragen einer Maske, Rauch-und Alkoholverbot während der Veranstaltung) nicht von allen Teilnehmer*innen eingehalten. So kamen – wie auch schon auf den vergangenen Veranstaltungen von „Die Rechte“ Teilnehmer bereits alkoholisiert an und tranken auch ungehindert während der Demonstration weiter… für die Veranstalter offensichtlich kein Problem. Das Tragen einer Maske stieß ebenfalls nicht bei allen auf Verständnis, es gab immer wieder Anlass zu Diskussionen zwischen Polizei, Ordner und einzelnen Teilnehmern und führte letztendlich bei der Zwischenkundgebung zum Ausschluss einer Person durch die Polizei.
Bereits am Auftaktort vor dem Braunschweiger Bahnhof gab es starken Gegenprotest, der die Neonazist*innen auch während ihrer Demonstration begleitete, und damit die These von Johannes Welge konterkarierte, dass „Die Rechte“ in Braunschweig ungehindert agieren könne.
Zitieren
Recherche Nord: Die Rechte in Braunschweig, Braunschweig, 20.02.2021.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2021-02-20-2/