Demonstration von Coronaleugner*innen in Kassel
Seit Monaten hatten verschiedene Gruppen aus dem verschwörungsideologischen Spektrum nach Kassel mobilisiert,...
…allen voran die unterschiedlichen Querdenken-Gruppen.
In entsprechenden Messengergruppen wurde dazu aufgerufen, sich in der Stadt zu treffen. Dem Aufruf folgten etwa 20.000 Menschen - und damit mehr als erwartet.
Schon vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung hielten sich hunderte Teilnehmer:innen im Innenstadtbereich auf, genauer auf dem Kasseler Friedrichsplatz.
Auf Abstände und Masken wurde weitestgehend verzichtet.
Nicht selten wurden Kinder für die Forderungen instrumentalisiert.
Dabei waren der Kreativität der Aussagen mittels Schildern, Regenschirmen und Verkleidungen kaum Grenzen gesetzt.
Die Nutzung der kurz vorher als Versammlungsort gewünschten Karlsaue wurde nicht erlaubt und diese von der Polizei weitestgehend abgeschirmt.
Vor allem Plakate mit Inhalten gegen das Impfen und damit verbundenen Verschwörungserzählungen waren an diesem Tag sehr präsent.
Auch Umsturzphantasien und Grafiken mit antisemitischem Hintergrund waren dabei.
Ursprünglich als Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Deutschland geschaffen…
… ist das sogenannte Georgsband seit dem Krieg in der Ukraine 2014…
… zumindest für einen großen Teil der diffusen Masse an Querdenker:innen ein Symbol für die Unterstützung der Politik Putins.
Kennzeichen aus allen möglichen Ecken des Bundesgebietes waren an diesem Tag in der Stadt zu sehen, teilweise nahmen Teilnehmer:innen Anreisen von einigen Stunden auf sich.
Auch wenn klar rechte Narrative und Symboliken an diesem Tag durchaus zu finden waren,…
…dominierte das Bild doch eine Mischung aus bürgerlichen Coronaleugner:innen verschiedener Couleur, Akteure der organisierten Rechten zeigten sich in der Minderheit.
Auch der gelbe Stern mit der Aufschrift -Ungeimpft- wurde in geschichtsrevisionistischer Manier vielerorts zur Schau getragen. Vergleiche mit Sophie Scholl waren weiterhin beliebt.
Den ganzen Tag über konnten spontane Demonstrationen durch die Stadt ziehen und riesige Menschentrauben die Innenstadt dominieren. Außerdem war auf dem Messeplatz Schwanenwiese eine große Bühne aufgebaut, um dort die Menschenmenge mit einem Programm über mehrere Stunden zu unterhalten.
Auch die anliegenden Shoppingcenter wurden massenweise ohne Masken aufgesucht.
Bepöbelungen und Bedrohungen von Menschen, die eine Mund-Nase-Bedeckung trugen, waren an der Tagesordnung.
Im Laufe des Tages kam es zu mehreren körperlichen Angriffen auf Journalist:innen,…
Allen Verboten zum Trotz wurde auf dem Friedrichsplatz ein LKW als Bühne aufgebaut und ein Programm abgehalten.
Auch an anderer Stelle wurden an dem Tag spontan Lautsprecherboxen aufgebaut und Reden gehalten, die erst spät am Tag von der Polizei unterbunden wurden.
Als zwei Menschen mit einer schwarz-roten Fahne die Menge passierten, wurde es versucht, ihnen diese zu entwenden…
…und es kam zu Gerangel, als sich um sie herum eine Traube bildete.
Es wurden an diesem Tag unter anderem Aktivist:innen der Identitären Bewegung, des III. Wegs und der NPD gesichtet, ebenso wie Mitglieder der AfD.
Einsame -Kein Bock auf Nazis- Schilder und -Nazis raus-Sprechchöre aus den Reihen der Teilnehmer*innen machen hier auch keinen Unterschied mehr in deren Auftreten.
Mit Einsetzen der Dämmerung machten sich die meisten Teilnehmer:innen wieder auf den Heimweg, vereinzelt blieben feiernde Grüppchen zurück.
Insgesamt wird dieses Superspreader-Event bei den Organisator:innen und Teilnehmer:innen wohl als großer Erfolg verbucht.
Zitieren
Recherche Nord: Demonstration von Coronaleugner*innen in Kassel, Kassel, 20.03.2021.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2021-03-20-kassel/