"Weit entfernt vom 21. Jahrhundert..." - 04.09.2021: Kundgebung der JA Niedersachsen in Bersenbrück
Am Samstag, den 4.9.2021, fand auf dem Marktplatz in Bersenbrück eine Kundgebung statt.
Im ersten Kundgebungsteil kamen zwei Kandidaten der AfD für die Kommunalwahl zu Wort. Bodo Suhren, der Vorsitzende des AfD- Kreisverbandes Osnabrück, versuchte sich in einer Abrechnung mit der Politik der Bundeskanzlerin und vergaß dabei nicht Atomkraftwerke als „sicher“ und CO2 als nicht schädlich darzustellen.
Genau so weit entfernt vom 21. Jahrhundert bewegte sich Marcel Queckemeyer, Vorsitzender des AfD-Verbands Osnabrücker Land Nord, als er in seinem Redebeitrag die Rückkehr zum streng nach Schulformen getrennten dreigliedrigen Schulsystem anpries und sich gegen die Inklusion wandte.
Nach einer kurzen Pause übernahmen dann Mitglieder der Jungen Alternative Niedersachsen das Wort. Adrian Maxhuni, stellvertretender JA-Landesvorsitzender und regionaler Kommunalwahlkandidat , hatte noch sichtlich Mühe mit seinem Redebeitrag. Es hatte außerdem den Anschein, dass er sich nicht sonderlich gründlich mit seinem Thema , eben dem Schulsystem, beschäftigt hatte, da in seiner Rede etliche gravierende Fehlinformationen enthalten waren.
Als Letzter sprach Lucas Vogt, der vom Moderator Maxhuni als Mitglied des Landesvorstandes der JA Niedersachsen vorgestellt wurde. Auch Vogt war anzumerken, dass er noch nicht viel Redeerfahrung mitbringt. Seine geplante Abrechnung mit den 68ern misslang nicht nur inhaltlich sondern auch rhetorisch, als er gegen die „geistlich verwahrloste Frankfurter Schule“ wetterte. Dies konnte auch sein ins Englische übertragener Schlusssatz „Deutschland – aber based“ nicht wettmachen.
Nur wenige Menschen hatten sich in Bersenbrück eingefunden, um sich die Reden anzuhören. Über den Zeitraum der Veranstaltung verteilt waren es rund 20 Personen.
Angemeldet worden waren dagegen 60 Teilnehmer*innen, sodass die reale Teilnehmer:innenzahl wohl kaum den Erwartungen der Veranstalter entsprochen haben dürfte.
Bei den Teilnehmer:innen handelte es sich fast ausschließlich um Mitglieder und Sympathisant:innen des AfD Kreisverbandes, dessen Vorsitz erst in diesem Jahr nach längerer Vakanz neu gewählt wurde.
Die Neuwahl war nötig geworden, nachdem der alte Kreisvorstand im September 2020 aus Unzufriedenheit über den Ausgang der Wahl zum Landesvorstand zurückgetreten war.Der neu gewählte Kreisvorstand um Suhren und Maxhuni gehört zu den Unterstützern des jetzigen Landesvorstandes und steht damit im Gegensatz zur AfD Osnabrück Stadt um Florian Meyer.
Allerdings war mit Alan Doetzel (rechts im Bild) ein AfD-Kandidat in Bersenbrück, der eher dem Lager von Florian Meyer zuzurechnen ist. Doetzel hielt sich während der Veranstaltung über weite Strecken im Hintergrund.
Der einzige Redner, der nicht zu den regionalen Strukturen gehört, war Lucas Vogt aus Salzgitter. Vogt, der in der Vergangenheit häufiger an regionalen und überregionalen Veranstaltungen des Flügels teilnahm, wurde bei der Neugründung der Jungen Alternative in deren Landesvorstand gewählt.
Bereits vor der Neugründung der JA hatte Vogt eine Gruppe jüngerer AfDler:innen ins Leben gerufen, die eng mit der JA Sachsen-Anhalt zusammenarbeiteten. An einigen der Veranstaltungen nahm auch Adrian Maxhuni teil.
Da laut Aussage eines Verantwortlichen bei der niedersächsischen JA die Geldmittel noch etwas knapp sind, wurde mit dem Material anderer Landesverbände improvisiert.
Vogt und Maxhuni gehörten beide zur Unterstützertruppe des flügelnahen AfD-Landesvorsitzenden Jens Kestner.
Allerdings hat sich mit der „Jungen AfD“ , die seit längerer Zeit in Hannover und der Region Hannover aktiv ist und vom AfD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Friedhoff protegiert wird, auch hier eine Parallelstruktur entwickelt.
Insgesamt machte die Kundgebung trotz der beiden JA-Fahnen und des JA-Infotischs mehr den Eindruck einer AfD- als einer JA-Veranstaltung. Es liegt nahe, dass der Veranstaltung das Etikett „JA“ nur angeklebt wurde, um darüber hinweg zu täuschen, dass es dem AfD Kreisverband Osnabrück nicht gelungen ist, eine:n AfD- Landes- oder Bundespolitiker:in als Redner:in nach Bersenbrück zu bekommen.
Am Schluss wurde - wie auf AfD-Veranstaltungen üblich - die 3. Strophe des Deutschlandlieds gesungen.
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Recherche Nord: "Weit entfernt vom 21. Jahrhundert..." - 04.09.2021: Kundgebung der JA Niedersachsen in Bersenbrück, Bersenbrück, 04.09.2021.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2021-09-04-b/