AfD im Sinkflug
Am Samstag, 22.1.2022, fand in Hannover eine Demonstration der AfD unter dem Motto „Freiheit für unsere Bürger!
Anders als bei den vorangegangenen Demonstrationen der letzten Monate wurde die Veranstaltung vom AfD-Kreisverband Hannover-Stadt angemeldet und durchgeführt. Versammlungsleiter war der AfD-Bundestagsabgeordnete Jörn König.
Beim AfD-Kreisverband Hannover Stadt handelt es sich um eine Gruppierung, die dem „moderateren“ Flügel um Jörg Meuthen nahe steht und sich damit im Gegensatz zur Ausrichtung des momentanen Landesvorstands um Jens Kestner befindet.
Diese Ausrichtung war sicher einer der Gründe, warum die Teilnehmer:innenzahl von etwa 200 Personen bereits bei der Auftaktkundgebung vor dem Opernhaus recht überschaubar war. Es gelingt der AfD in Hannover immer weniger Menschen außerhalb uhrer eigenen Mitglieder zur Teilnahme an ihren Veranstaltungen zu motivieren.
Die Hoffnung, Zulauf aus den Gruppierungen der Impfgegner:innen und Maskenverweiger:innen zu bekommen , hat sich nicht erfüllt, obwohl es auch an diesem Tag kaum einer der Redner zu erklären versäumte, dass die AfD gerade für diese Klientel kämpfen würde.
Dies wird in den Chatgruppen der Impfgegner:innen völlig anders gesehen: viele Menschen dort halten eine angemeldete Demonstration mit Maskenpflicht und Abstandsregelungen für eine falsche Form des Widerstands. Andere nennen ihr als Grund für Ihren Boykott die klare Ausrichtung der AfD-Demos und- Kundgebungen als Parteiveranstaltungen.
Dass es sich an diesem Tag um eine solche handelte, wurde nicht nur an den Transparenten sondern auch an den Redebeiträgen deutlich sichtbar. Bei den 8 Reden entstand nicht nur der Eindruck, dass zum Thema „Impfpflicht“ eigentlich schon alles gesagt wurde…
…und jeder Redner nur die Thesen seines Vorredners in andere Worte kleidete, nein, es ging in erster Linie – wie meist bei der AfD lediglich um Kritik an Bundes- und Landesregierung. Konkrete eigene Ideen und Vorschläge waren nicht zu hören.
Ebenso verhielt es sich bei den zusätzlich angesprochenen Themeb, z. B. Wohnungsmangel, die offensichtlich bei einem Großteil der Zuhörer:innen auf wenig Interesse stieß, liefen sie doch am Demothema vorbei. So gab es für die Redebeiträge nur mäßigen Applaus, zumal die Redner auch rhetorisch nicht viel zu bieten hatten
Obwohl die Rednerliste mit vier Bundestagsabgeordneten und vier Landtagsabgeordneten, entstand eher der Eindruck, dass die Redner nicht nach fachlicher Kompetenz ausgesucht worden waren sondern dass sich hier jeder präsentieren wollte…
…zumal in diesem Jahr in Niedersachsen die Landtagswahl ansteht und es - zumindest bei den anwesenden Landtagsabgeordneten- um einen sicheren Platz auf der Landesliste geht.<
Im Anschluss an die Auftaktkundgebung setzte sich der Demonstrationszug in Richtig Landtagsgebäude in Bewegung. Schon hier scherte ein nicht geringer Teil der Teilnehmer:innen aus…
…sodass nur etwa 130 Personen mitliefen. Bereits nach etwa 100 Metern kam es jedoch zu einem uneingeplanten Zwischenstopp, da zwei Sitzblockaden den geplanten Weg versperrten.
Erst nach fast einer Stunde konnte die Demonstration fortgesetzt werden. In dieser Zeit verließen weitere Teilnehmer:innen die Veranstaltung und die Stimmung bei den Verbliebenen verschlechterte sich zunehmend…
…deutlich erkennbar an den Parolen aus dem AfD-Lautsprecherwagen, in denen die Gegendemonstrant:innen als „neue Hitlerjugend“ und die ebenfalls demonstriende GEW als „linksextreme Organisation“ bezeichnet wurden
Vermutlich auf Grund der fortgeschrittenen Zeit drehte der Demonstrationszug dann in Sichtweite des Landtagsgebäudes ohne Zwischenstopp abrupt um und kehrte zum Ausgangspunkt am Opernhaus zurück. An der dortigen Abschlusskundgebung beteiligten sich dann lediglich noch etwa 60 Personen
Zitieren
Recherche Nord: AfD im Sinkflug, Hannover, 22.01.2022.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2022-01-22-h/