Neonazidemonstration in Braunschweig (Karneval)
Am 19.02.2022 führte der Kreisverband Braunschweig-Hildesheim der neonazistischen Splitterpartei "Die Rechte" eine Demonstration in Braunschweig durch.
Unter dem Motto “Karnevalsdemo in Braunschweig” reisten ca. 60 Neonazis zur Veranstaltung an.
Die VEranstaltung war als Provokation gegen die Stadt Braunschweig gedacht und reihte sich in eine, inzwischen lange Liste, von diesbezüglichen Veranstaltungen in der Region ein.
Die Anreise verlief jedoch erstmal schleppend. Aufgrund von Sturmschäden war der Zugverkehr zum Teil gesperrt.
Nur ein geringer Teil der Teilnehmenden nutzte die Gelegenheit um in Verkleidung an der Veranstaltung teilzunehmen.
In einem Kostüm kam auch Martin Kiese, seines Zeichens Landesvorsitzender der Partei in Niedersachsen und Beisitzer im DR-Bundesvorstand.
Kiese trat im Kostüm der Comicfigur “Paulchen Panther” auf. Auch die terroristische Vereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) nutze die Comicfigur für ein Bekennervideo.
Die Botschaft war klar. Hier wurde sich an eine Organisation angelehnt, die zwischen dem Jahr 2000 und 2007 zehn Menschen ermordete, weitere Mordanschläge sowie drei Sprengstoffanschläge verübte.
Beim Umzugswagen der “Karnevalsdemonstration” handelte es sich um einen Fahrradanhänger.
Aus Bremerhaven reiste mit Alexander von Malek (Bildmitte) der ehemalige Landesvorsitzende der Partei im Bundesland Bremen an. Alexander von Malek musste die Partei inzwischen verlassen, der Landesverband wurde aufgrund von “Inkompetenz der Führungsriege” inzwischen aufgelöst, wie es aus der Bundespitze der DR-Partei heißt.
Inzwischen tritt Alexander von Malek vor allem bei sogenannten “Corona-Protesten” in Bremerhaven als Trommler in Erscheinung. Eine Funktion die er auch nun bei der Demonstration in Braunschweig wahrnahm.
Kurz vor Beginn der Veranstaltung wurde Martin Kiese von Polizeikräften angehalten das Kostüm zu wechseln.
Johannes Welge vom DR-Kreisverband Braunschweig-Hildesheim während seiner Ankunft. Das Kasparkostüm sollte an Till Eulenspiegel erinnern.
Im Vorfeld war von der Teilnahme der Neonazigruppierung “Neue Stärke” (NS) ausgegangen worden.
Die “Neue Stärke” ist in der Neonaziszene jedoch heftig umstritten - und wird von Beobachterinnen wie auch von Protagonistinnen der Neonaziszene selbst, mitunter als “Resterampe” bezeichnet.
Insbesondere durch ihr Auftreten beim sogenannten “Trauermarsch”, der jährlich von Neonazis im sächsischen Dresden durchgeführt wird, standen Forderungen im Raum, der “Neuen Stärke” zukünftig die Teilnahme an bestimmten Veranstaltungen zu erschweren, bzw. szeneintern zu untersagen.
So reisten nur wenige Mitglieder der “Neuen Stärke” nach Braunschweig und verzichteten auf das Zeigen von entsprechenden Emblemen und Fahnen.
Das Niveau der Veranstaltung wäre aber auch durch die offene Teilnahme der “Neuen Stärke” nicht weiter abgesunken.
Bildmitte: Neonazis der “Neuen Stärke Magdeburg” vermeintlich Undercover auf der Veranstaltung…
Auch Neonazis des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der Partei “Die Rechte” nahmen an der Veranstaltung teil. Darunter auch der jüngst aus der Haft entlassene ehemalige Bundesvorsitzende Sascha Krolzig ((mit Jutebeutel).
Die Veranstaltungsleitung übernahm der zuletzt erneut zum DR-Bundesvorsitzenden gewählte Christian Worch.
Bei dem Startpunkt der Demonstration handelte es sich um den Braunsxchweiger Hauptbahnhof, der zuvor weiträumig abgesperrt wurde.
Als erster Redner trat der Neonaziaktivist Dieter Riefling in Erscheinung.
Ebenfalls vor Ort: Alexander Deptolla (rechts), Landesvorsitzender der Partei “Die Rechte” in Nordrhein-Westfalen.
Die Demonstration setzte sich mit einiger Verspätung in Gang nachdem auf anreisende Teilnahmende gewartet wurde, die sich durch den eingeschränkten Zugverkehr verspäteten.
Obwohl im Regelfall bei der Verwendung des Runenalphabets Anhänger*innen der Neonaziszene politische Botschaften verstecken, entschied sich der Träger dieses Tattoos für die sinnfreie Buchstabenfolge “MULIFEFGRGDIG”.
Die Demonstration wurde vor allem durch die rechtsradikale Musik bestimmt - darunter zahlreiche mysogine und offen sexistische Stücke.
Alexander Deptolla während seines Redebeitrages auf der ersten Zwischenkundgebung.
Deptolla erteilte insbesondere der Teilnahme an sogenannten “Corona-Protesten” eine Absage und forderte die umstehenden Neonazis dazu auf nicht weiter an den Veranstaltungen zu partizipieren.
Diese Forderung steht konträr zum Vorgehen der lokalen Neonaziszene, die insbesondere in den letzten Monaten verstärkt versucht haben an den “Coroan-Protesten” teilzzunehmen und dies in ihrem Sinne zu beeinflußen - folglich wurde die Rede von Alexander Deptolla auch mit einem Karnevals-Tusch beendet.
Als Redner trat hier Holger Niemann, der ehemalige Landesvorsitzende der Partei “Die Rechte” in Niedersachsen ans das Mikrophon.
Zitieren
Recherche Nord: Neonazidemonstration in Braunschweig (Karneval), Braunschweig, 19.02.2022.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2022-02-19/