Geschichtsrevisionistische Gedenkveranstaltung in Friedland
Wie bereits in den Vorjahren bot die Friedland-Gedächtnisstätte in Südniedersachsen am 20.08.2022 die Bühne für eine Veranstaltung der extremen Rechten.
Das aus vier 28m-hohen Betonstelen bestehende Denkmal wurde 1966 für die deutschen “Heimatvertriebenen” und “Heimkehrer” errichtet.
Anmelder der Veranstaltung ist Roland Wuttke (Bild) vom extrem rechten Verein “Gedächtnisstätte” in Guthmannshausen.
Unter der Leitung von Wuttke findet die Veranstaltung seit einigen Jahren mit schwankender, aber eher geringer Anzahl an Teilnehmenden statt.
Dort beteiligte Akteur:innen um Wuttke nutzen das Gedenken an Vertreibungen, um geschichtsrevisionistische Thesen zu propagieren.
Während in den vergangenen Jahren bis zu 50 Personen teilnahmen, kamen diesem Jahr lediglich 16 Personen zusammen.
Die Veranstaltung wurde durch ein Polizeiaufgebot geschützt, laute Gegenproteste begleiteten sie in Hörweite.
Aufgrund von verzögerter Anreise durch Stau wurde die Veranstaltung durch Roland Wuttke erst um 12:30 Uhr eröffnet.
Wuttke, der auch als Autor bei der neonazistischen Zeitschrift “Volk in Bewegung” auftritt, organisiert die Veranstaltung unter dem Label “Aufbruch Heimat”.
Nach dem Verlesen der Auflagen, die aufgrund von Brandgefahr u.a. Rauchen und das Nutzen von Glasflaschen untersagten, übernahm Wuttke auch direkt den ersten Redebeitrag. Dieser kritisierte vor allem die derzeitige, immer demokratischer werdende Ausrichtung von Vertriebenenverbänden.
Gegendemonstrant:innen sorgten im Vorfeld dafür, dass auch ihre Position auf der Veranstaltung sichtbar war.
Als zweite Rednerin trat die langjährige Neonazi-Aktivistin und NPD-Politikerin Edda Schmidt ans Mikrofon. Schmidt war auch in der verbotenen Wiking-Jugend aktiv und trat in den letzten Jahren immer wieder bei verschiedensten Veranstaltungen in Erscheinung.
Schmidt berichtete vor allem über ihre Aktivitäten als junge Neonazistin, in deren Zusammenhang sie sich bereits mit der Vertriebenenthematik unter dem Motto “Verzicht ist Verrat” auseinandersetzte.
Edda Schmidt war mit ihrem Mann, dem NPD-Aktivisten Hans Schmidt, nach Friedland gereist. Beide betrieben jahrelang einen antiquarischen Versandhandel für braune Literatur. Zuletzt trat Hans Schmidt bei Corona-Protesten in Reutlingen mit einem Redebeitrag in Erscheinung.
Im Laufe der Veranstaltung kamen noch Nachzügler:innen mit Trauerkränzen angereist.
Darunter auch die Führungsspitze des AfD-nahen Zentralrats der Russlanddeutschen e.V. wie die AfD-Politiker Denis Pauli (links) und Otto Feist (rechts).
Als dritter Redner trat Johann Thießen ans Mikrofon. Bei ihm handelt es sich um einen ehemaligen NPD-Kandidaten und aktuellen Bundesvorsitzenden des Arminius-Bundes. Der Bund übernimmt in seinem Programm unter anderem wortwörtlich Passagen aus dem 25-Punkte-Programm der NSDAP.
Arnold Höfs war ebenfalls mit einem Redebeitrag vertreten. Höfs war in der Vergangenheit im Vorstand des 2005 verbotenen “Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holokaust Verfolgten”.
Er wird dem Umfeld von Holocaustleugner:innen um Ursula Haverbeck zugerechnet.
Als letzter Redner ergriff Denis Pauli das Mikrofon. Pauli versuchte, den Blick auf aktuelle Geschehnisse wie den Ukraine-Krieg zu lenken, was von den Zuhörer:innen mit Widerspruch quittiert wurde.
Nach dem letzten Redebeitrag wurden dann an der Gedenkstätte Kränze niedergelegt.
Wuttke hielt noch einen letzten Redebeitrag und beendete schließlich die Veranstaltung.
Zitieren
Recherche Nord: Geschichtsrevisionistische Gedenkveranstaltung in Friedland, Friedland, 20.08.2022.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2022-08-20-f/