Reichsbürger:innen und AfD vereint in Twistringen
Am vergangenen Montag, den 20. Februar 2023 führten Reichsbürger:innen und Mitglieder der "Alternative für Deutschland" (AfD) zum wiederholten Mal eine Demonstration im niedersächsischen Twistringen …
Bereits seit Beginn des vergangenen Jahres unterstützt der AfD-Kreisverband Diepholz, um dessen Vorsitzenden Andreas Iloff (hier im Bild), die Proteste aus dem sogenannten “Querdenken-Spektrum” in der Region und trat gemeinsam bei Veranstaltungen in Erscheinung - seit Juli 2022 auch mit eigens angemeldeten Kundgebungen und Demonstrationen.
Von Beginn an waren dabei die vom AfD-Kreisverband gesetzten Themen auswechselbar. Mal ging es um ein phantasiertes Impfregime und finstere Mächte, mal um steigende Energiepreise, dann wieder gegen politische Gegner:innen. Die dahinterliefgende Hoffnung des AfD-Kreisverbandes ist einfach: hier geht es darum Aufstandsphantasien zu beförden, diese am Köcheln zu halten und feste Allianzen mit den hier aktiven Reichsbürger:innen zu schmieden.
Während sich der AfD-Kreisverband zu Beginn seiner Aktivitäten auf die Durchführung von sogenannten “Mahnwachen” mit jeweils etwa 30 Teilnehmenden beschränkte, finden seit August des vergangenen Jahres auch Demonstrationen in Twistringen statt - inzwischen auch mit überregionaler Unterstützung, wie hier im Bild, Reichsbürger aus dem nahegelegenen Bremen.
Aus Bremen war am vergangenen Montag in Twistringen auch Wolfgang W. aus Bremen zugegen. Das ehemalige Vorstandsmitglied des Bremer Landesverbandes der Partei “Die Basis” bewegt sich seit Beginn der so genannten Corona-Proteste im verschwörungsideologischem Milieu und verbreitet entsprechende Erzählungen über einen eigenen Youtube-Kanal. Wolfgang W. gehört zu den regelmäßigen Teilnehmenden dieser politisch einschlägigen Veranstaltungen in Twistringen.
Als Anmelder der Veranstaltungen trat wiederholt der AfD-Kreisvorsitzende Andreas Illoff (Bild) in Erscheinung. Neben seiner AfD-Karriere kann Illof auf eine lange Geschichte in der extremen Rechten zurückblicken. So war Illof bereits vor seiner Mitgliedschaft in der AfD aufgrund seiner vielfältigen Aktivitäten ein festes Beobachtungsobjekt des niedersächsischen Verfassungsschutzes.
Am vergangenen Montag wechselte Iloff wieder einmal die thematischen Schwerpunkte der Veranstaltung. In einem Redebeitrag bei der er anwesende Journalisten schmähte und beschimpfte versuchte er den Krieg in der Ukraine in den Mittelpunkt zu rücken. Am Ende blieb die Botschaft jedoch so überschaubar wie wöchentlich die selbe: “Die da oben” seien Schuld an allem.
Die anwesenden Reichsbürger:innen und AfD-Mitglieder stimmten, mit verhaltenem Applaus den kruden Thesen des AfD-Kreisvorsitzenden zu.
Die Nutzung eines Megaphon’s war, zum sichtlichen Verdruß einzelner Teilnehmenden, bei der Veranstaltung untersagt. Eine dafür erforderliche Mindesanzahlö an Teilnehmenden konnte nicht erzielt werden. Es kamen lediglich 26 Personen und ein Hund zusammen.
In der Vergangenheit suchte der Veranstaltungskreis um Andreas Iloff und AfD-Stadtratsabgeordneten in Diepholz Alfons Muhle auch den Schulterschluß zu anderen extrem Rechten Organisationskreisen. So wurden die Veranstaltungen auch in der Telegramgruppe der “Freien Niedersachsen” beworben. Dort tummeln sich neben Reichsbürger:innen und anderen Verschwörungsgläubigen auch organisierte Neonazis.
Dies hinderte die AfD Niedersachsen ihrerseits nicht die Veranstaltung weiter offensiv zu unterstützen. So nahmen bereits mehrere AfD-Landtagsabgeordnete wie Harm Rykena von der AfD-Oldenburg oder Marcel Queckemeyer von der AfD-osnabrück an den Veranstaltungen teil. Auch der niedersächsische Landesvorsitzende der AfD-Jugendorganisation “Junge Alternative” (JA) Adrian Maxhuni war in Twistringen bereits zugegen.
Der Charakter der Veranstaltung wird auch durch die dort getätigten Sprechchöre deutlich. Während die Teilnehmenden Deutschlandfahnen tragen ist das Singen der Nationalhymne vberpönnt. Am vergangenem Montag wurde dies sogar ausdrücklich von Teilnehmenden untersagt. Stattdessen gab es Sprechchöre wie “Die BRD ist tot, es lebe Schwarz-Weiß-Rot”.
Mit der Veranstaltung in Twistringen verfolgt Andreas Illof (Bild), der am Ende der Veranstaltung noch eine kommende Versammlung von Reichsbürger:innen in Bremen bewarb, augenscheinlich auch persönliche Interessen im Machtkampf innerhalb der AfD-Niedersachsen. So dient die Veranstaltung auch der Rekrutierung neuer Mitglieder für seinen eigenen Machtbereich. Iloff selbst befindet sich dabei in Opposition zum gegenwärtigem AfD-Landesvorstand und benötigt, wie es in der AfD-Niedersachsen heißt, eine entsprechend instrumentalisierbare Hausmacht um sich parteipolitisch zu halten.
Gegen 19:30 Uhr setze sich dann der Demonstrationszug, begleitet von Gegenprotesten in Bewegung und zog mit Sprechchören die Hauptstraße von Twistringen entlang.
Gemeinsam mit den Reichsbürger.:innen marschierte auch der AfD-Politiker Heinzjürgen Niks (Bildmitte). Niks, der zuvor bereits für die rechtspopulistische Partei “Bürger in Wut” als Kandidat in Erscheinung trat, ist derzeit Mitglied im so genannten “Notvorstand der AfD im Landesverband Bremen” - der sich derzeit eine erbitterte Auseinandersetzung mit dem gewählten Landesvorstand der AfD-Bremen liefert. Die Auseinandersetzungen führen derzeit dazu, dass die Zulassung von AfD-Kandidat:innen bei der im Mai 2023 anstehenden Bürgerschaftswahl in Bremen gefährdet ist, da zwei unterschiedliche Wahllisten eingereicht wurden.
Zitieren
Recherche Nord: Reichsbürger:innen und AfD vereint in Twistringen, Twistringen, 20.02.2023.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2023-02-20/