Neonazi-Aufmarsch für Siegfried Borchardt in Münster
Neonazi-Aufmarsch in Münster am 5. Juli: Die Demonstration für Siegfried Borchardt wurde durch polizeiliches Vorgehen zum Debakel für die Teilnehmenden. Für den 19. Juli mobilisieren sie erneut nach Münster.
Am 5. Juli 2025 fand in Münster eine Neonazi-Demonstration statt, zu der knapp 130 Personen anreisten. Anlass für die Demo war der Rechtsstreit um das Grab von Siegfried Borchardt, der auch als „SS-Siggi“ bekannt war und 2021 verstarb.
Die Neonazis fordern eine Inschrift für seinen Grabstein, während die Stadt Dortmund das Grab so anonym wie möglich halten möchte, um zu verhindern, dass es zu einer Pilgerstätte der extremen Rechten wird. Der Fall liegt derzeit beim Oberverwaltungsgericht in Münster.
Organisiert wurde die Demo vom “Freundeskreis Siegfried Borchardt”. Es waren viele bekannte Neonazi-Kader anwesend, darunter Christian Worch, Thomas “Steiner” Wulff, Dieter Riefling und Alexander Deptolla, der auch die Totenfürsorge für Borchardt übernommen hat.
Im Laufe der Versammlung kam es wiederholt zu Bedrohungen und Einschüchterungsversuchen gegen Pressevertreter durch Personen aus der Gruppierung “Frontline Skinheads Dortmund Dorstfeld”.
Zu Beginn der Versammlung mussten viele der jüngeren Teilnehmer immer wieder angehalten werden, ihre Vermummungen abzulegen, sodass der Demozug loslaufen konnte. Bereits nach wenigen hundert Metern wurde der Zug jedoch für knapp anderthalb Stunden gestoppt.
Die zahlreichen Reichsfahnen waren laut Polizei ein möglicher Verstoß gegen das Versammlungsgesetz NRW, da sie ein “paramilitärisches” Auftreten erzeugten.
Noch während der entsprechenden Durchsage der Polizei begannen die Neonazis hektisch, die Reichsfahnen einzusammeln und im Lautsprecherfahrzeug zu verstauen.
Das hielt die Polizei jedoch nicht davon ab, jede Person, die zuvor während des Demozuges eine Reichsfahne getragen hatte, für eine polizeiliche Maßnahme abzuführen. So mussten 39 Teilnehmer ihre Personalien abgeben.
Die lange Wartezeit sorgte dafür, dass die Demonstration sichtlich ausdünnte, da viele Neonazis die Versammlung verließen. Die Stimmung der Anwesenden war sichtlich genervt, auch an dem lautstarken Gegenprotest störten sich viele von ihnen.
Aus Empörung über das polizeiliche Vorgehen hielt Christian Worch eine spontane Rede, in der er nicht nur eine Klage und weitere rechtliche Konsequenzen versprach, sondern auch festhielt, dass er, der sich durch zunehmendes Alter und diverse Krankheiten “schon fast halb tot” fühlte, nun einen Adrenalinstoß erhalten habe, der ihn über die nächsten Wochen tragen werde.
Der Zug lief zum Schluss noch bis zum Ludgerikreisel, wo eine Kundgebung abgehalten wurde. Dort traten dann neben Anmelder Sascha Krolzig noch einmal Christian Worch, Thomas “Steiner” Wulff, Dieter Riefling, Alexander Deptolla und Sven Skoda als Redner auf.
Wulff sprach darüber, dass Borchardt ein “SA-Mann” und ein “politischer Soldat” gewesen sei. Sie als Nationalsozialisten seien außerdem laut Wulff “keine Menschenhasser”.
Besonders Riefling redete sich angesichts des lauten Gegenprotests in Rage und schwadronierte über Straßenschlachten gegen “die rote Brut”, die er gemeinsam mit Borchardt erlebt habe.
Nach dem kurzen Rückweg zum Hauptbahnhof wurde die Demonstration beendet und die übriggebliebenen Teilnehmenden reisten gemeinsam mit der Bahn in Richtung Dortmund ab.
Zitieren
Recherche Nord: Neonazi-Aufmarsch für Siegfried Borchardt in Münster, Münster, 05.07.2025.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2025-07-05-ms/