Netzwerktag am rechten Rand in Altenburg
Anfang November trafen sich in Altenburg militante Neonazis, die AfD und weitere Akteure der extremen Rechten, um sich zu vernetzen und Einfluss zu gewinnen. Trotz offen antidemokratischer Ausrichtung blieb das Treffen weitgehend unbeachtet.
Am 15. November 2025 fand im “Kulturhof Kosma” im Altenburg (Thüringen) ein Vernetzungstreffen der extremen Rechten statt.
Eingeladen hatte das extrem rechte Magazin “Aufgewacht! - Die Deutsche Stimme”, eine Fusion aus den Partei-Zeitschriften von “Freien Sachsen” und “Die Heimat” (ehemals NPD).
Zu der Veranstaltung reisten zahlreiche Neonazis sowie Akteur:innen aus dem rechten Vorfeld, als auch Vertreter:innen der AfD an. Das Treffen zeigte erneut, wie eng die extrem rechten Milieus und parteipolitische Akteur:innen inzwischen miteinander verflochten sind. Insgesamt nahmen knapp 100 Personen teil.
Neben Infoständen verschiedener Organisationen bestand die Veranstaltung auch aus kurzen Vorstellungsreden eigener Aktivitäten - mit dem Ziel, die Vernetzung innerhalb der extrem rechten Szene weiter auszubauen. Welche Weltanschauung dort verbreitet wurde, daraus machte man keinen Hehl.
Im Rahmen der Veranstaltung waren verschiedene extrem rechte Symbole zu sehen.
Die enge Zusammenarbeit zwischen “Freie Sachsen” und “Die Heimat” zeigt sich nicht nur in den Zeitschriften, sondern auch darin, dass Peter Schreiber (Bild) als Bundesvorsitzender der Partei “Die Heimat” im vergangenen Jahr in Sachsen erfolglos für die “Freien Sachsen” kandidiert hatte.
Unter den Teilnehmenden waren auch Aktivisten der “Identitären Bewegung” (IB), die teils eigens aus Niedersachsen angereist waren.
… - ein weiteres Zeichen dafür, dass das Treffen bewusst zur überregionalen Vernetzung unterschiedlicher extrem rechter Strukturen genutzt wurde.
Gleichzeitig zeigt es, wie strategisch diese Akteur:innen vorgehen, um ihre Ideologie in bestehende Strukturen einzubringen und auszubauen - während die Veranstaltung in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet blieb.
Ebenfalls in Altenburg zugegen war “Metapol”, eine Vereinigung, die aus den “Jungen Nationalisten” (JN) hervorgegangen ist und gezielt neonazistische Bildungsarbeit betreibt. In der Vergangenheit suchte “Metapol” die Nähe zur AfD und beriet bereits deren zwischenzeitlich aufgelöste Jugendorganisation “Junge Alternative” (JA) in Strategiefragen.
Neben Mitgliedern von Parteien am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums waren auch Personen vor Ort, die zuvor der 2024 verbotenen Kaderstruktur der “Hammerskins” angehört hatten. Ihre Präsenz verdeutlicht, wie das Treffen unterschiedliche Strömungen der extremen Rechten zusammenbrachte.
Vor Ort war mit Jonas Zarrad (links) auch der Landesvorsitzende der Partei “Die Heimat” aus Sachsen-Anhalt. Zarrad war zuvor lange in der Jugendorganisation “Junge Nationalisten” (JN) aktiv, wo Jugendliche durch nationalsozialistische Ideologievermittlung und “Rasseschulungen” gezielt indoktriniert und radikalisiert werden.
Vertreten waren jedoch nicht nur Parteien und Vereine, sondern auch Projekte aus dem extrem rechten Spektrum – darunter die Zeitschrift “Not-Wende – Schrift für Volkstum, Kultur, Recht und Freiheit” von Dirk Narath. Narath war früher “Gauführer Franken” der verbotenen “Wiking-Jugend” (WJ), einer Organisation, die Kinder und Jugendliche systematisch im Sinne des Nationalsozialismus indoktrinierte.
Vor Ort war mit Markus Beisicht (rechts) auch ein Vertreter von “Aufbruch Leverkusen”, einer Gruppierung aus dem Umfeld der ehemaligen “Pro-Bewegungen”. Die Strukturen zeigen inzwischen keinerlei Abgrenzungsbemühungen mehr zur organisierten Neonazi-Szene.
Auch Andreas Kalbitz, ehemaliger Landesvorsitzender der AfD Brandenburg, war vor Ort.Kalbitz war 202 aus der Partei ausgeschlossen worden - offiziell, weil er seine Aktivitäten bei der 2009 verbotenen neonazistischen Jugendorganisation “Heimattreue Deutsche Jugend” (HDJ) verschwiegen hatte.
Dass bei dieser offen gezeigten Nähe zum Faschismus die “Alternative für Deutschland” nicht fehlt, überrascht kaum.Einer ihrer prominenteren Vertreter in Altenburg war Stefan Pfau (Bild) vom AfD-Kreisverband Oder-Spree - er gehörte auch dem Landesvorstand der “Jungen Alternative” bis zu dessen Selbstauflösung an.
Zitieren
Recherche Nord: Netzwerktag am rechten Rand in Altenburg, Altenburg, 15.11.2025.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2025-11-15/