Inszenierung statt Arbeitskampf - Neonazis am 1. Mai in Essen
Am 1. Mai 2026 mobilisierte die neonazistische Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) bundesweit zu einer Demonstration in Essen. Es sollte ein Höhepunkt des von der Partei ausgerufenen „Kampfjahres“ werden, das Mobilisierungspotenzial der Szene wirkte jedoch erschöpft.
Verspätet und schwach besucht: Am 1. Mai 2026 mobilisierte die neonazistische Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD) bundesweit zu einer Demonstration in Essen.
Angemeldet waren 500 Teilnehmende, tatsächlich erschienen nur rund 250 Neonazis am Hirschlandplatz.
Es sollte ein Höhepunkt des von der Partei ausgerufenen „Kampfjahres“ werden, das Mobilisierungspotenzial der Szene wirkt jedoch erschöpft: Auch im Vergleich zu größeren 1.-Mai-Aufmärschen in den Vorjahren bleibt die Essener Veranstaltung klein und hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück.
Bereits am Morgen der Veranstaltung rückte die Polizei in Dortmund-Dorstfeld an: In der Thusneldastraße wurden zahlreiche Reichsflaggen sowie ein Banner mit der Aufschrift „1. Mai seit 1933 arbeitsfrei“ aufgehängt.
Ein Großteil der Fahnen wurde in einer Maßnahme beschlagnahmt, dabei soll ein Gegenstand aus einem oberen Fenster des Hauses geworfen worden sein.
Bevor es deshalb zu einer Durchsuchung des Gebäudes kam, stellte sich der Dortmunder Neonazi-Aktivist Niklas Busch und wurde vor Ort in Gewahrsam genommen.
Auch weitere Anreisende aus Dortmund steckten in Altenessen in einer Maßnahme fest, sodass sie erst mit mehreren Stunden Verspätung die Versammlungsfläche erreichten.
Die geplante Demonstration startete deshalb knapp drei Stunden später als geplant, die anwesenden Teilnehmenden durften zuvor sichtlich abgeschlagen in der Sonne ausharren und versuchten immer wieder, Pressevertreter:innen von der Versammlungsfläche zu vertreiben.
Während Zwischen- und Abschlusskundgebung am Kennedyplatz traten bekannte Funktionäre der Partei als Redner auf.
Unter ihnen der Bundesvorsitzende Peter Schreiber, sein Stellvertreter Thorsten Heise und der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer. Auch der Neonazi-Kader Sven Skoda, der JN-Bundesvorsitzende Sebastian Weigler und „Influencerin“ Lilly Baginski (Anio) waren mit Redebeiträgen vertreten.
Letztere soll als JN-Aktivistin insbesondere junge Menschen ansprechen und wird gezielt von der Partei aus Gesicht genutzt, um auch in den sozialen Medien ihre Ideologie zu propagieren.
Mehrere Tausend Menschen beteiligten sich am Gegenprotest in der Essener Innenstadt, während Neonazis ihre Versammlung teils frühzeitig in Kleingruppen wieder verließen.
Zitieren
Recherche Nord: Inszenierung statt Arbeitskampf - Neonazis am 1. Mai in Essen, Essen, 01.05.2026.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2026-05-01-e/