Revolutionsplanungen: Strategietagung mit AfD, „Neuer Rechter“ und Neonazis"
MetaPol: ein Zusammenschluss organisierter Neonazis, die sich nach außen als rechte “Denkfabrik” präsentieren und Strategietagungen und Seminare organisieren - so wie hier im November 2023 im niedersächsischen Brettorf. Bei ihren klandestin durchgeführten Schulungsveranstaltungen und Seminaren werden Strategien und Taktiken für den von ihnen ersehnten Regime-Change propagiert, debattiert und weiterentwickelt.
Gegründet wurde MetaPol von einer Gruppe von Neonazis um den langjährigen Neonazi Pierre Dornbrach - seines Zeichens ehemaliger Bundesschulungsleiter der NPD-/Die Heimat-Jugendorganisation “Junge Nationalisten” (JN).
Heute agiert Dornbrach, der mit seiner Firma “ProID” auch Leistungen im Bereich Datenschutz und Arbeitssicherheit anbietet, unter dem Pseudonym “Peter Steinborn” als selbsternannter “Geostratege” in den Reihen von MetaPol.
Die Köpfe von MetaPol rekrutieren sich zum überwiegenden Teil aus den Strukturen der Jungen Nationalisten (JN). Dort bekleideten sie in der Vergangenheit die Ämter von Bundes- und Landesschulungsleitern und waren damit für weltanschauliche Indoktrinierung des politischen Nachwuchses verantwortlich.
Auch unter den Teilnehmenden von MetaPol-Seminaren finden sich zahlreiche aktuelle JN-Aktivist:innen. Hier beim sogenannten “Regionalseminar Nord” von MetaPol, bei dem nahezu der gesamte JN-Bundesvorstand teilnahm - darunter auch Dorian Rapp, aktueller JN-Bundesschulungsleiter.
Rapp hielt in dieser Funktion bei einer neonazistischen Sonnenwendfeier in Eschede im Juni 2024 auch die Zeremonie ab, bei der eine sog. “Lebensrune” (Algiz-Rune) aus Holzbalken verbrannt wurde. An dieser Veranstaltung nahmen auch kleine Kinder teil.
MetaPol versucht, unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung zu bleiben. Veranstaltungsorte werden nicht veröffentlicht, bei Bekanntwerden legen die Teilnehmenden großen Wert auf Anonymität.
Bei den Treffen sind verschiedene Altersgruppen vertreten, ein besonderer Schwerpunkt der “Bildungsarbeit” liegt aber auf Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
MetaPol unterhält enge Verbindungen zu verschiedenen Organisationen, dazu zählt auch die Partei Alternative für Deutschland (AfD) sowie der Jugendorganisation Junge Alternative (JA). So trat MetaPol auch bei einer JA-Strategietagung im Februar 2023 im niedersächsischen Höfen als Referenten in Erscheinung.
Und auch bei dem nun stattgefundenen Seminar waren diese Verbindungen offensichtlich. Moderiert wurde die Veranstaltung von einem prominenten AfD-Politiker aus Brandenburg.
Dabei handelt es sich um Tim Krause, Beisitzer im Landesvorstand der AfD Brandenburg und der ehemalige Pressesprecher der Fraktion.
Als Podiumsteilnehmer wurde Doris Sayn-Wittgenstein angekündigt. Die ehemalige Landesvorsitzende der AfD Schleswig-Holstein steht schon seit langem im Kontakt mit neonazistischen Organisationen - zum Beispiel mit den Strukturen der Gedächtnisstätte Guthmannshausen, wo MetaPol in der Vergangenheit Veranstaltungen durchführte.
Und auch der Compact-Autor Peter Feist (Mitte) gehörte zu den geladenen Referent:innen der letzten Veranstaltung.
Feist nahm nicht zum ersten Mal an Seminaren von MetaPol teil. Sein Name taucht regelmäßig in den Ankündigungen ihrer Veranstaltungen auf.
Über die konkrete Umsetzung der “Revolution von rechts” sollte Erik Ahrens referieren. Bereits wenige Tage zuvor veröffentlichte dieser unter dem Titel “Rechte Weltanschauung und der Weg zur Macht” einen entsprechenden Debattenbeitrag.
Die Verbindung zur AfD zeigt sich auch durch Erik Lehnert, der im letzten Jahr Referent bei einer MetaPol-Veranstaltung war. Lehnert arbeitet als Berater der AfD in Brandenburg und gilt neben Götz Kubitschek als Verantwortlicher für das (ehemalige) “Institut für Staatspolitik”.
In ihren Zielen liegen MetaPol und die AfD vermutlich nicht sehr weit voneinander entfernt. Beiden geht es um die völkische Umgestaltung der Gesellschaft.
Zu den Gründungsmitgliedern von MetaPol wird auch Roy Graßmann gezählt. Dieser verantwortete die MetaPol-Internetpräsenz “Gegenstrom.org”.
In diesem Zusammenhang ist ebenfalls das MetaPol-Führungsmitglied Steffen Nickel zu nennen. Der langjährige JN-Aktivist aus Berlin, der zeitweise einen Antiquariat mit nationalsozialistischer Literatur betrieb, ist heute unter anderem im Immobiliengeschäft tätig.
Die Schulungen und Strategietreffen finden immer hinter verschlossenen Türen statt. Die Akteure hinter MetaPol achten auch sehr darauf, dass das so bleibt und die Veranstaltungen stark abgeschirmt.
Aus ihren Zielen manchen manche der Teilnehmer:innen kein Geheimnis, hier zum Beispiel ein selbstbezeichnender “national-socialist activist” aus den Strukturen des JN-Stützpunktes “Nordland” in Schleswig-Holstein (Bildmitte).
Auch bei dem Treffen in Brettorf nahmen neben organisierten Neonazis Personen teil, die den Strukturen der AfD und der Jungen Alternative zugeordnet werden.
Die Brisanz bei MetaPol ergibt sich, ähnlich wie beim “Institut für Staatspolitik” nicht nur aus ihrer strömungsübergreifenden Netzwerkfunktion, sondern dass hier ganz konkret an der Umgestaltung und Umwälzung der demokratischen Gesellschaft gearbeitet wird. Ziel ist eine völkische Revolution.
Es geht MetaPol darum, die Demokratie in ihrem Kern von Freiheit und Gleichheit zu zerstören, rassenbiologische Konstrukte zu verbreiten und die offene Gesellschaft in eine feindselige, unsolidarische und kampfbereite Gemeinschaft zu verwandeln.(frei nach Samuel Salzborn)
Zitieren
Recherche Nord: Revolutionsplanungen: Strategietagung mit AfD, „Neuer Rechter“ und Neonazis", Metapol, 17.09.2024.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/metapol/