Neonaziaufmarsch in Nienburg
Am Samstag, dem 19.11.2016 reisten Neonazis ins niedersächsische Nienburg um an einer Demonstration durch die Kreisstadt teilzunehmen.
Der “Freundeskreis” ist nur eine von verschiedenen (zumeist kurzlebigen) Neugründungen der Neonazisszene in den letzten zwei Jahren, welche in der Peripherie von zusammenbrechenden NPD-Strukturen sowie parteifreier Neonazisubkultur entstanden sind. Insbesondere in Niedersachsen sind wesentliche Teile der organisierten Neonaziszene vom immer stärker wirksam werdenen Wegbrechen handlungsfähiger Strukturen betroffen. Die Neugründnungen verfolgen das Ziel Einzelpersonen und verbliebenden Kleinstgruppen der “Szene” ein neues Wirkungsfeld zu eröffnen. Der in Nienburg gegründete Stützpunkt rekrutiert sich primär aus den Strukturen der Kleinstgruppe “Aktionsgruppe Nienburg”, deren handlungsfähiger Kern auf maximal drei bis vier Personen geschätzt wird.
Wie bereits in den vergangenen Monaten zeigte die Mobilisierungsfähigkeit der Neonaziszene auch in Nienburg markante Schwächen. Mobilisiert wurde primär über soziale Medien und informelle Gespräche. Eine darüberhinaus gehende Mobilisierung, konnte aufgrund fehlender Infrastruktur nicht bewerkstelligt werden.
Unterstützung bei ihrem Anliegen eine Demonstration in Nienburg zu realisieren, fand die “Aktionsgruppe” vor allem bei lokalen Neonazis aus dem Raum Hannover. Doch auch diese “Unterstützungs-Strukture"n haben in den vergangenen Jahren mit erheblichen personellen Problemen, Umwälzungen und internen Streitigkeiten zu kämpfen. So haben sich etliche führend Neonazikader in den vergangenen Jahren aus den lokalen Zusammenhängen zurückgezogen oder setzen politische Schwerpunkte nunmehr anders. Über die Teilnahme an Demonstrationen und Kundgebungen geht die Handlungsfähigkeit der noch verbliebenen Strukturen kaum hinaus.
Angesichts wegbrechender und in Transformation befindlicher Strukturen blieb die Anzahl der angereisten Teilnehmerinnen in Nienburg marginal. Während in der Vergangenheit Teilnehmerinnenzahlen zwischen 100 und 200 Personen eine Konstante bildeten, sind in Norddeutschland inzwischen Demonstrationen welche den dreistelligen Bereich an Teilnehmer*innen erreichen, bereits als groß zu werten. In Nienburg blieb diese Anzahl allerdings bei unter 50 angereisten Personen.
Ein Mitglied der, sich selbst als “Dizipliniert” bezeichnenden “Aktionsgruppe Nienburg” bei der Konversation mit Polizei und Gegendemonstrat*innen…
Jens Wilke, NPD-Kandidat zur Landratswahl für Göttingen und zur Wahl des Kreistages in Göttingen, beim Verlesen der Auflagen. Wilke gilt als eine der treibenden Kräfte hinter den Vernetzungsstrukturen des “Freundeskreises”.
Zitieren
Recherche Nord: Neonaziaufmarsch in Nienburg, Nienburg, 19.11.2016.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2016-11-19/