AfD-Niedersachsen und ihre Neonazis
Am Samstag, den 04.02.2017 fand in Hannover ein Kandidatenparteitag der AfD-Niedersachsen statt.
Als Veranstaltungsort fungierte das Bürgerhaus Misburg in der niedersächsischen Landeshauptstadt.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurden interne Spannungen und Zerwürfnisse innerhalb des niedersächsischen AfD-Landesverbandes bekannt. So war zuvor bekannt geworden, dass der derzeitige AfD-Landesvorsitzende Armin Paul Hampel einen Vortrag bei einem Treffen des rechtsradikalen Vereins “Arbeitskreis für deutsche Politik” (AfDP) gehalten hatte. Doch nicht nur die offene Annäherung an Strukturen der organisierten Neonaziszene fiel im Landesverband auf geteilte Zustimmung. Auch der zunehmend als autoritär empfundene Führungsstil des Landesvorsitzenden Hampel sorgt parteiintern zunehmend für Kritik.
Der nun bekannt gewordene Streit innerhalb der AfD-Niedersachsen um die Verbindungen zur Neonaziszene, ausgelöst durch ihren Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel, entpuppt sich bei näherer Betrachtung allerdings als Scheingefecht, hat sich die AfD-Niedersachsen doch schon längst zum Auffangbecken organisierter Neonazis entwickelt.
So gehörte am vergangenen Samstag auch der Neonaziaktivist Andreas-Dieter Iloff zum Kreis der anwesenden AfD-Anhänger*innen.
Iloff (hier zweiter von links) war dabei nicht zufällig vor Ort. Als Kreisvorsitzender der AfD im Landkreis Diepholz gehört Andreas-Dieter Iloff inzwischen zu den Funktionsträgern der “Alternative für Deutschland” (AfD) in Niedersachsen.
Der gelernte Hufschmied gehört zu den Gründungsmitgliedern der rechtsradikalen Vereinsorganisation “Freundeskreis Deutschland” sowie dem “Gemeinschaftswerk Auehof”. Beide Organisationen sind darauf ausgerichtet völkisch-neonazistisches Gedankengut im kulturellen Bereich zu verbreiten und wurden unter anderem durch den Verfassungsschutz beobachtet.
Innenansicht der Schmiede von Andreas-Dieter Iloff: Im Hintergrund eine Fahne der “Schwarzen Front”, einer nationalsozialistischen Kleinstpartei, die sich 1930 von der NSDAP abspaltete. Die Hitlerjugend benutzte dieses Symbol ebenfalls als Gaufeldabzeichen. Das Fahnensymbol mit gekreuzte Hammer und Schwert dient noch heute organisierten Neonazis als Erkennungszeichen.
Wie der niedersächsische Verfassungsschutz auf Anfrage der Diepholzer Lokalzeitung mitteilte, wird der Personenkreis um Andreas-Dieter Iloffs Vereinsstrukturen auch weiterhin von den Behörden beobachtet und kann somit als wesentlicher Bestandteil der niedersächsischen Neonaziszene betrachtet werden.
Doch auch außerhalb der von Iloff mitbegründeten Vereinsstrukturen trat der derzeitige AfD-Kreisvorsitzende immer wieder im Kontext neonazistischer Strukturen in Erscheinung. Hier als (von Protestler*innen umgebener) Teilnehmer des Schneverdinger Heideblütenlaufs, der in den Jahren 2004 bis 2008 von Neonazis zu Propagandazwecken genutzt und entsprechend von diesen frequentiert wurde.
Andreas-Dieter Iloff (rechts) im November 2014 in Hannover. Iloff war Teilnehmer eines Aufmarsches der sogenannten “HoGeSa”, einer strukturübergreifenden Neonazivereinigung. Hier im Gespräch mit Peter Hallmann, der zuletzt in Ostwestfalen-Lippe einen Stützpunkt der Neonazipartei “Der Dritte Weg” gründete.
Darüber hinaus diente das Grundstück von Andreas-Dieter Iloff in der Vergangenheit als Treffpunkt und Veranstaltungsort. So fand unter vielen anderen am 21.12.2013 eine Wintersonnenwendfeier auf dem Anwesen statt. Unter den Teilnehmerinnen befanden sich auch ehemalige Anhängerinnen der vom Bundesinnenministerium verbotenen “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ).
Und auch überregional trat der derzeitige AfD-Kreisvorsitzende bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So auch im Juni 2011 bei einem Treffen der neonazistischen “Europäischen Aktion” (EA) auf dem Anwesen des NPD- und Rechtsrockfunktionärs Thorsten Heise.
Andreas-Dieter Iloff war am vergangenen Wochenende nicht der einzige Unterstützer neonazistischer Aktivitäten, der sich nunmehr in den Strukturen der AfD-Niedersachsen wiederfindet. Auch Marc A., hier rechts im Bild trat in der Vergangenheit entsprechend in Erscheinung…
Das AfD Mitglied Marc A. im Oktober 2013 während einer Kundgebung der NPD in Hannover als Teilnehmer der sogenannten “NPD-Flaggschiff-Tour”, bei der NPD-Aktivist*innen zahlreiche Kundgebungen in Niedersachsen durchführten.
Mark A. (links) während eines Redebeitrags des NPD-Funktionärs Udo Pastörs im Oktober 2013 in Hannover.
Die Versuche der AfD-Niedersachsen Verbindungen in die organisierte Neonaziszene von sich zu weisen, erscheinen angesichts der Einbindung rechtsradikaler Funktionäre in die eigenen Parteistrukturen als wohlkalkulierte Lippenbekenntnisse. Der Auftritt des Landesvorsitzenden Hampel bei einem Treffen des rechtsradikalen Vereins “Arbeitskreis für Deutsche Politik” zeigt sich bei genauer Betrachtung nur als zusätzlicher Tropfen auf dem ohnehin schon heißen Stein.
Mitglieder der AfD-Niedersachsen bei der Anreise am vergangenen Wochenende in Hannover.
Ankunft von Armin Paul Hampel, seines Zeichens Landesvorsitzender der AfD-Niedersachsen während des Kandidatenparteitages in Hannover.
Bei der Aufstellungsversammlung am vergangenem Samstag erhielt der 59-jährige ehemalige Journalist Hampel 346 von 407 abgegebenen Stimmen und wurde somit zum Spitzenkandidaten der AfD-Niedersachsen gekürt. Seine Kandidatur schien jedoch nie gefährdet: die meisten der Hampel-Kritiker waren dem Parteitreffen ferngeblieben. Auch der ebenfalls in Hannover anwesende stellvertretende Bundesvorsitzende Alexander Gauland hatte sich zuvor hinter Hampel gestellt.
Die derzeitige Entwicklung der niedersächsischen AfD dürfte auch Dr. Klaus Eikemeyer gefallen (hier rechts im Bild). Auch bei ihm handelt es sich um einen langjährigen Protagonisten der norddeutschen Neonaziszene.
Klaus Eikemeyer während des Landesparteitages der NPD-Niedersachsen im Mai 2011 im niedersächsischen Northeim.
Seit Jahren nimmt Klaus Eikemeyer an internen Veranstaltungen sowie auch an Demonstrationen der norddeutschen Neonaziszene teil. Hier während eines Neonaziaufmarsches im August 2015 im niedersächsischen Bad Nenndorf.
Die Teilnehmer*innen des AfD-Parteitages vom vergangenen Wochenende schienen sich an der Anwesenheit mehrere bekannter Neoanaziaktivisten in ihren Reihen nicht zu stören, zumal diese auch als Funktionsträger der AfD in Erscheinung traten.
Zuende bringen konnte die AfD-Niedersachsen ihre Veranstaltung jedoch nicht: Am Samstag, den 11.2.2017, soll der Kandidatenparteitag der AfD im Bürgerhaus Misburg ab 10 Uhr weitergeführt werden.
Zitieren
Recherche Nord: AfD-Niedersachsen und ihre Neonazis, Hannover, 04.02.2017.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2017-02-04/