Landesparteitag der NPD-Niedersachsen 2017 in Petersdorf
Die 1964 in Niedersachsen gegründete Nationaldemokratische Partei Deutschlands – Die Volksunion (NPD) - vertritt eine nationalistische wie völkische Ideologie und weist eine programmatische Nähe zur …
Die NPD kämpfte in den vergangenen Jahren, und dies nicht nur in Niedersachsen, mit einem zunehmenden Bedeutungsverlust. Die selbst gesteckten Ansprüche einer “Bewegungspartei” konnten angesichts maroder Organisationsstrukturen und sinkender Mitgliedszahlen nur noch stellenweise erfüllt werden. Der nun durchgeführte Parteitag im “Stammland” der NPD ist auch in diesem Kontext zu betrachten. Angesichts dieser Schwierigkeiten versucht die NPD-Niedersachsen ihren Landesverband zu stabilisieren. Zu diesem Zweck sollte auch ein neuer Landesvorstand gewählt werden.
Die Veranstaltung selbst wurde konspirativ durchgeführt, eine öffentliche Bekanntmachung gab es im Vorfeld nicht. Anreisende Teilnehmer*innen wurden über einen Schleusungspunkt im niedersächsischen Ahlhorn zum späteren Veranstaltungsort geleitet…
… erst dort, am Ahlhorner Bahnhof, erhielten die Teilnehmer*innen eine Wegbeschreibung zum eigentlichen Veranstaltungsort.
Organisatorisch vorbereitet wurde die Veranstaltung durch den NPD-Unterbezirk Oldenburg um ihren Vorsitzenden Wilhelm Sudmann und den Landesvorsitzendem Ulrich Eigenfeld aus Oldenburg.
Erwartet wurden im Vorfeld rund 50 Anhänger*innen und Mitglieder der Partei. Auch Frank Franz, derzeitiger NPD-Bundesvorsitzender, wurde anläßlich des Parteitages erwartet. Der Ehrenplatz für den Bundesvorsitzenden blieb allerdings unbesetzt. Frank Franz blieb der Veranstaltung entgegen seiner im Vorfeld getätigten Ankündigung fern.
Veranstaltungsteilnehmer*innen hatten einen Kostenbeitrag zu entrichten.
Der Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Oldenburg Wilhelm Sudmann zu Beginn der Veranstaltung. Der Frührentner Sudmann wurde im Mai 2016 zum Vorsitzenden des Unterbezirkes gewählt, nachdem der langjährige Vorsitzende Eckard Aden angekündigt hatte für dieses Amt nicht weiter zur Verfügung zu stehen.
Neben dem Bundesvorsitzenden Frank Franz hatten weitere prominente NPD-Funktionäre ihre Teilnahme zugesichert, so auch Thorsten Heise. Der langjährige Neonazi gilt als radikaler Vertreter und politischer Hardliner seiner Partei. Heise agierte zuvor jahrelang im Kontext sogenannter “Freier Kameradschaften” und ist wegen schwerer Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Nötigung und Volksverhetzung sowie Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorbestraft. Bei einer Razzia auf seinem Anwesen im Oktober 2007 fanden die Ermittler neben Tonträgern mit verbotenen rechtsextremen Inhalten auch eine Maschinenpistole, ein Maschinengewehr und eine Pistole. Derzeit leitet Heise als Vorsitzender die Geschicke des thüringischen NPD-Landesverbandes.
Heise wurde während der Anreise vom Northeimer NPD-Mitglied Gianluca Bruno begleitet. Bruno gehört zum NPD-Unterbezirk Göttingen und trat in der Vergangenheit bereits als Kandidat für die niedersächsischen Kommunalwahlen in Erscheinung. Ähnlich wie Thorsten Heise gilt Gianluca Bruno als militanter Vertreter der NPD, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt. So beteiligte sich das NPD-Mitglied in der Vergangenheit an einen Angriff von Neonazis, welche im vergangenen Jahr randalierend durch den Leipziger Stadtteil Connewitz zogen. Dies hinderte die Delegierten des Landesparteitages nicht Gianluca Bruno im Verlauf der Veranstaltung als Beisitzer in den Landesvorstand der NPD-Niedersachsen zu wählen.
… recht öffentlichkeitswirksam. Bei dem vermummten NPD-Delegierten handelte es sich um: …
…Martin Ahlborn vom NPD-Unterbezirk Göttingen, hier eine Aufnahme vom niedersächsischen NPD-Landesparteitag im Jahr 2014 in Groß Berßen. Bereits im Vorjahr, während des Landesparteitages in Wolfsburg (wir berichteten), trat Ahlborn mit einer Sturmhaube vermummt in Erscheinung.
Der 52. Landesparteitag der NPD-Niedersachsen fand im sogenannten “Löwen-Festsaal” im niedersächsischen Petersdorf (Bösel) im Landkreis Cloppenburg statt. Für die NPD-Niedersachsen und ihre Anhängerschaft kein unbekannter Ort: fand hier doch bereits vor zwei Jahren ein Landesparteitag der NPD statt (Fotostrecke hier: http://recherche-nord.com/gallery/2015.05.10.html)
Beteuerten die Betreiber des “Löwen-Festsaals” in der Vergangenheit noch, dass sie bei der Anmeldung im Jahr 2015 überrumpelt wurden, räumten sie beim diesjährigen NPD-Landesparteitag freimütig ein, dass sie über die Hintergründe von den Veranstaltern informiert wurden. Als Anmelder trat der Landesvorsitzende Ulrich Eigenfeld in Erscheinung.
NPD-Anhänger*innen während der Anreise in Petersdorf. Bildmitte: Torsten Schönrock, Listenkandidat der NPD-Niedersachsen zur anstehenden Bundestagswahl.
Links: Jens Wagenlöhner, seines Zeichens Vorsitzender des NPD-Unterbezirks Ostfriesland-Friesland. Wagenlöhner gilt als Bindeglied in die militante Kameradschaftsszene im Weser-Ems Gebiet. So bewegt sich Wagenlöhner im Umfeld der neonazistischen Kleinstgruppe “Aktionsgruppe Weser/Ems”, die Neonazis aus Oldenburg, Wilhelmshaven und Friesland vernetzen soll.
Sonderlich erfreut über die Anwesenheit von Beobachterinnen der Veranstaltung zeigten sich die angereisten Teilnehmerinnen nicht. Man hatte gehofft im Verborgenen tagen zu können, wie einzele Teilnehmer*innen freimütig einräumten.
Bildmitte: Andreas Pohl. Das Mitglied des NPD-Unterbezirks Braunschweig wurde im Verlauf der Veranstaltung auf Listenplatz 8 der NPD-Landesliste für die im Jahr 2018 anstehenden Landtagswahl gewählt.
Einsatzkräfte der Polizei waren in Petersdorf nicht zugegen und besaßen, wie nachträgliche Presseanfragen ergaben, auch keine Kenntnis über die Veranstaltung und den Veranstaltungsort. Auf Nachfrage teilte die zuständige Polizeiinspektion Cloppenburg mit, dass auch einen Tag später keinerlei Erkenntnisse über einen NPD-Landesparteitag im Einzugsbereich vorliegen würden. Am Montag Abend dann wurde die Polizeidirektion Oldenburg vom einem Anwohner über die Veranstaltung informiert.
Ob das polizeiliche Vorgehen mit den Ankündigungen von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius “standhaft und aktiv” gegen die NPD vorzugehen, diese zu beobachten und ihren Handlungsspielraum einzuschränken, übereinstimmt, darf bezweifelt werden. Ein ähnliches Szenario bot sich bereits im letzten Jahr während des NPD-Landesparteitages in Wolfsburg. Zwar behauptet der Pressesprecher der Polizeidirektion Wolfsburg bis heute vehement, dass die Polizei Wolfsburg Kenntnis vom damaligen Veranstaltungsort besaß, was von anwesenden Beobachterinnen jedoch massiv in Zweifel gezogen wird. Auch im Jahr 2016 waren keine Einsatzkräfte vor Ort. Stattdessen bezog die Polizei in Wolfsburg ihre diesbezüglichen Informationen mutmasslich über eine Fotostrecke auf der Internetpräsenz der recherche-nord… und verkaufte die Informationen prompt als Ergebnis eigener Ermittlungen. Angaben über Herkunftsorte der damaligen Teilnehmerinnen, deren Anzahl und den Ablauf der Veranstaltung kann die Polizei Wolfsburg bis heute nicht geben: entsprechende Nachfragen wurden in der Vergangenheit unter anderem mit dem Auflegen des Telefons und dem Abbruch des Gesprächs beantwortet. Aus diesem Grund wurde in diesem Jahr besonderer Wert darauf gelegt eine Veröffentlichung bzgl. des NPD-Landesparteitages erst ein paar Tage verzögert herauszugeben.
Ebenfalls auf der Landesliste auf Listenplatz 6 für die anstehende Landtagswahl: Holger Pohl wie Andreas Pohl Mitglied des NPD-Unterbezirks Braunschweig.
Im Hintergrund vermummt: Karin Hollack, Mitglied im NPD-Unterbezirk Heide-Wendland. Die langjährige NPD-Aktivistin verlor im Verlauf des Landesparteitages ihren Posten als Beisitzerin im Landesvorstand der NPD-Niedersachsen.
Das NPD-Mitglied Karin Hollack während der Anreise.
Adolf Preuß, NPD-Gemeinderat in Süpplingen nahe dem niedersächsischen Helmstedt: Seit rund fünfzig Jahren, also lediglich mit einer einzigen Unterbrechung seit 1968, wählen die Bewohner der 1900-Seelen-Gemeinde Adolf Preuß, Mitglied im NPD-Unterbezirk Braunschweig, in ihren Gemeinderat.
Unter den Delegierten des NPD-Landesparteitages befand sich auch Helmut Walter, Vorsitzender der NPD-Cuxhaven und Mitglied im NPD-Unterbezirk Stade.
Mitglieder des NPD-Unterbezirks Heide-Wendland und des NPD-Unterbezirks Stade während der Anreise.
Bildmitte: der Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Stade, Manfred Dammann. Der 1959 geborene Dammann war in der Vergangenheit in seiner Funktion als “Politischer Organisationsleiter” ebenfalls Mitglied im Landesvorstand der NPD-Niedersachsen. Darüberhinaus ist Manfred Dammann Verantwortlicher des sogenannten “NordlandTV”, jenem Internetmedium, in welchem der bekennende Antisemit Horst Mahler im April 2017 ankündigte die Bundesrepublik zu verlassen, um einem bevorstehendem Haftantritt zu entgehen. Inzwischen wurde Mahler auf seiner Flucht in Ungarn von den Behörden festgesetzt. Manfred Dammann wußte demnach von Mahlers geplanter Flucht und deckte diese.
Im Vorfeld des nun stattgefundenen NPD-Landesparteitages galt Manfred Dammann als möglicher Kandidat für das Amt des NPD-Landesvorsitzenden, welches im Verlauf des Parteitages neu bestimmt werden sollte.
Der bisherige Landesvorsitzende Ulrich Eigenfeld vom NPD-Unterbezirk Oldenburg (hier im Bild) hatte bereits seit längerem angekündigt für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung zu stehen.
Links: Markus Grimm. Der Musikpädagoge aus dem niedersächsischen Sottrum (Landkreis Rotenburg Wümme) trat im Verlauf des Landesparteitages auch musikalisch in Erscheinung. So wurden im Verlauf der Veranstaltung mehrere Lieder gesungen: Markus Grimm begleitete diese auf der Gitarre. Auf telefonische Nachfrage stritt Markus Grimm dies allerdings ab.
Der Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Heide-Wendland Manfred Börm. Das langjährige NPD-Mitglied und ehemalige Führungsmitglied der 1994 aufgrund ihrer “Wesensverwandschaft zum Nationalsozialismus” verbotenen “Wiking-Jugend” stand der NPD-Niedersachsen bereits im Jahr 2012 als kommisarischer Landesvorsitzender vor. Der ehemalige Leiter des NPD-Ordnerdienstes gilt als politischer Hardliner und als Vertreter radikaler Positionen innerhalb der NPD in Niedersachsen. In den 70er Jahren wurde Börm im Zusammenhang mit der terroristischen “Wehrsportgruppe Werwolf” und eines Überfalls auf ein Biwaklager von NATO-Soldaten auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne, bei dem die Angreifer Maschinenpistolen und Munition erbeuteten, zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt.
Wie erwartet wurde Manfred Dammann im Verlauf des nun stattgefundenen Landesparteitages zum neuen Landesvorsitzenden der NPD-Niedersachsen gewählt.
Links: der NPD-Funktionär und gelernte Kraftfahrer Swen Treuel aus Bremervörde. Der 1981 geborene Treuel gehörte ebenfalls zu den NPD-Kandidat*innen der niedersächsischen Kommunalwahl im Jahr 2016.
Andreas Haack vom NPD-Unterbezirk Stade. Organisatorisch war Andreas Haack jahrelang in parteifreien Neonazigruppierungen aktiv. Heute gilt Haack als ein Bindeglied zwischen NPD und militanter “Kameradschaftsszene” im nördlichen Niedersachsen. Innerhalb der NPD-Niedersachsen agierte Haack zuletzt als stellvertretender “Organisationsleiter” der NPD-Niedersachsen. Im Verlauf des nun stattgefundenen Landesparteitages wurde Andreas Haack von den NPD-Delegierten zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Ferner vertritt Haack die NPD-Niedersachsen bei der niedersächsischen Landtagswahl 2018 auf dem Listenplatz 4 der Landesliste.
Auch Matthias Behrens, ehemaliges Führungsmitglied der Neonazigruppierung “Snevern Jungs”, gehörte zu den Delegierten des Landesparteitages. Während der kommisarischen Übernahme der Leitungsposition der NPD-Niedersachsen durch Manfred Börm im Jahr 2012 agierte Matthias Behrens bereits als stellvertretender Landesvorsitzender der niedersächsischen NPD.
Im Zuge der niedersächsischen Kommunalwahl 2011 errang Behrens (hier im Kreis der “Snevern Jungs”) ein Mandat als NPD-Abgeordneter im Kreistag des Heidekreises: ein Mandat, welches er nach der Kommunalwahl 2016 allerdings wieder abgeben musste.
Auch wenn der NPD-Unterbezirk Heide-Wendland, zu dem Matthias Behrens gehört, bei der letzten Landtagswahl alle Kommunalmandate verlor, wurde Behrens während des nun stattgefundenen Landesparteitag auf Listenplatz 2 der Landesliste zur Landtagswahl gewählt. Links: Auch Horst Görmann, Landesvorsitzender der NPD-Bremen, nahm an der Veranstaltung teil.
Markus Grimm (Bildmitte) wurde im Verlauf der Veranstaltung ebenfalls als Beisitzer in den Vorstand der NPD-Niedersachsen gewählt. Neben seiner Tätigkeit für die NPD tritt Grimm unter der Bezeichnung “K-Rock” als Produzent für “Hip Hop / True-School / Streetbeatz” sowie als Referent für “erlebnisorientierte Vorträge & Workshops” in Erscheinung. Darüber hinaus bietet Grimm über seine Internetseite “Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte für Schule, Kindergarten und Kulturhäuser in Frührhythmik, musikalischer Früherziehung und musikalischer Unterrichtsgestaltung” an.
Der ehemaliger Regionaldirektor Deutschland der “UNIVERSAL-ZULU-NATION” engagiert sich erst seit kurzem parteipolitisch in der NPD. Dennoch wurde Grimm nun in den Vorstand der NPD-Niedersachsen gewählt. Im “Deutschen Rock- und Popmusiker Verband e.V.” ist Markus Grimm, alias “K-Rock”, hingegen seit längerem Mitglied. (Bild: Screenshot von Reverbnation)
Links: Christina Krieger, Vorsitzende des NPD-Unterbezirks Hannover und Beisitzerin im niedersächsischen NPD-Landesvorstand, welche gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester Lena Krieger nach Petersdorf reiste. Lena Krieger wurde im Verlauf der Veranstaltung auf Listenplatz 5 der Landesliste zur anstehenden Landtagswahl gewählt.
Die Personalie Christina Krieger gilt innerhalb der NPD-Niedersachsen als umstritten. Unter ihrer Führung verzeichnete der NPD-Unterbezirk Hannover einen zunehmenden Mitgliederschwund. Der einstmals aktive und gut vernetzte Unterbezirk gilt inzwischen als weitestgehend handlungsunfähig. Allerdings wird Christina Krieger innerhalb der NPD-Niedersachsen zugute gehalten, dass sie “politisch leicht zu kontrollieren” sei. Dies gilt vermutlich auch zukünftig für ihre Position als stellvertretende Landesvorsitzende, zu der sie die Delegierten im Verlauf des Landesparteitages bestimmten.
Der NPD-Unterbezirk Gifhorn-Wolfsburg war ebenfalls vertreten.
Stanislav Danschikov: Listenplatzkandidat der NPD zur anstehenden Bundestagswahl am 24. September 2017. Danschikov, der sich ebenfalls erst seit wenigen Monaten parteipolitisch für die NPD engagiert, vertritt die NPD-Niedersachsen nun auch bei der Landtagswahl 2018. Er wurde auf Listenplatz 10 der Landesliste gewählt.
Die Anwesenheit von Thorsten Heise (hier mit Torsten Schönrock) während des nun stattgefundenen Landesparteitages wurde von Beobachter*innen als Zeichen einer möglichen Radikalisierung des niedersächsischen Landesverbandes gewertet. Heise fiel demnach in Petersdorf die Aufgabe zu den durch Mitgliederschwund geschwächten Landesverband auf wichtige Personalentscheidungen einzustimmen. Wie bereits auf dem im März stattgefundenen Bundesparteitag in Saarbrücken schwor Heise die NPD-Delegierten mit Durchhalteparolen auf zukünftige Entwicklungen ein.
Thorsten Heise ist bekannt für seine Redebeiträge, in denen er offen zum “Kampf gegen das System” aufruft, Protagonisten des Nationalsozialismus historisch verklärt und dafür wirbt die Bundesrepublik “bis zum Untergang” zu bekämpfen.
Delegierte des Landesparteitages während der Mittagspause.
Die Landesliste der Kandidat*innen zur niedersächsischen Landtagswahl wurde im Anschluß an die Wahl des neuen Landesvorstandes beschlossen.
Der NPD-Bundestagskandidat Torsten Schönrock. Dieser hatte im November 2015 als ehemaliges Gründungsmitglied die Partei “Freie Friesen” verlassen, nachdem seine neonazistische Vergangenheit bei der 1992 verbotenen Partei “Deutsche Alternative – Die nationale Protestpartei” (DA) als Vorsitzender der “DA-Niedersachsen” und Sicherheitsbeauftragter bekannt geworden war. Schönrock trat zur damaligen Zeit vor allem durch antisemitische Hassreden und einen bekennenden Nationalsozialismus in Erscheinung.
Torsten Schönrock während seiner Zeit als niedersächsischer DA-Vorsitzender. Den Delegierten der NPD-Niedersachsen schien Schönrock während des nun stattgefundenen Landesparteitages zumindest aufgrund seiner reichhaltigen Erfahrungen qualifiziert genug zu sein, um zukünftig die Belange der NPD-Niedersachsen als Beisitzer im Landesvorstand zu vertreten.
Rechts im Bild: Der Bildungsleiter der NPD-Niedersachsen und Mitglied im Landesvorstand Matthias Ries. Das langjährige NPD-Mitglied engagierte sich in der Vergangenheit auch in den Strukturen der “Heimattreuen Deutschen Jugend” (HDJ), welche bereits Kleinkinder einem militärischen Drill unterwarf und diese, beispielsweise in “Rasseschulungen”, ideologisch konditionierte. Die HDJ wurde am 31. März 2009 durch den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mit sofortiger Wirkung verboten. Seitdem engagiert sich Ries verstärkt in den Strukturen der NPD.
Matthias Ries während des HDJ-Pfingstlagers 2007 in Eschede. Ries wurde im Zuge des nun durchgeführten NPD-Landesparteitages erneut als Beisitzer in den Vorstand der NPD-Niedersachsen gewählt..
Gegen 16:00Uhr fand die Veranstaltung langsam zu ihrem Ende.
Holger Pohl: Kandidat der NPD-Niedersachsen zur anstehenden Bundestag- und Landtagswahl.
Friedrich Preuß, Vorsitzender im NPD-Unterbezirk Braunschweig und bis vor kurzem Schatzmeister der NPD-Niedersachsen. Im Zuge der Verjüngungsbestrebungen wurde Preuß nicht erneut in den Vorstand der NPD-Niedersachsen gewählt. Dafür wählten ihn den Delegierten auf Listenplatz 9 der NPD-Landesliste zur Landtagswahl 2018.
Auch der 1950 geborene Bernd Neumann aus Oldenburg, welcher am vergangenen Wochenende in Petersdorf zugegen war, trat bei der Kommunalwahl 2016 als Kandidat in Erscheinung.
Der thüringische NPD-Landesvorsitzende Thorsten Heise zeigte sich im Anschluß des Landesparteitages über das Ergebnis sichtlich erfreut. Martin Ahlborn, welcher während des Landesparteitages ebenfalls als Beisitzer in den niedersächsischen NPD-Landesvorstand gewählt wurde, versuchte erneut sein Gesicht zu verbergen.
Angesichts des Umstandes, dass die NPD bislang nicht die erforderlichen Unterschriften für die bevorstehenden Wahlen zusammenbringen konnte, wurden die angereisten NPD-Mitgliedern dazu angehalten diese verstärkt einzutreiben.
Die neue stellvertretende Landesvorsitzende Christina Krieger. Auch Krieger wird bei den Landtagswahlen 2018 als Kandidatin antreten. Sie wurde auf Listenplatz 1 gewählt.
Die Führungsaktivistin der Neonazigruppierung “Düütsche Deerns” Jessica Behrens. Im Jahr 2011 agierte Jessica Behrens kurzzeitig als Landesgeschäftsführerin der NPD-Niedersachsen. Als damalige stellvertretende Vorsitzende im NPD-Unterbezirk Heide-Wendland war sie zeitweise auch Mandatsträgerin der NPD im Stadtrat von Schneverdingen.
Bei den “Düütschen Deerns” handelt es sich um eine neonazistische Frauengruppe, die sich an der Organisation verschiedener Veranstaltungen, primär Sommer- und Wintersonnenwendfeiern und Erntefesten beteiligt und diese mitorganisiert. Diese finden zumeist im niedersächsischen Eschede statt.
Der neue niedersächsische NPD-Landesvorsitzende Manfred Dammann während der Abreise. Zusätzlich wurde Dammann auf den Listenplatz 2 der NPD-Landesliste zur Landtagswahl gewählt.
Der diesjährige Landesparteitag der NPD-Niedersachsen stand im Zeichen von Verjüngungssprozessen. Primär geht es der NPD-Niedersachsen um die Stabilisierung ihrer Strukturen und um eine zukünftige Begrenzung ihres Mitgliederschwunds. Angesichts der Konkurrenz, welche der NPD durch die Partei “Alternative für Deutschland” (AfD) erwachsen ist, gibt sich die niedersächsische Parteiführung keinen Illusionen hin. Man wolle abwarten und erst nach dem von der NPD erwarteten und erhofften Zusammenbruch der AfD wieder offensiver nach außen treten.
Mitglieder NPD-Unterbezirks Heide-Wendland sowie des NPD-Unterbezirks Stade während der Abreise aus Petersdorf. Manfred Börm (Bildmitte) sowie Matthias Behrens (rechts im Bild) schienen im Verlauf der Veranstaltung etwas desorientiert. So behaupteten diese das sie den neuen Vorstand der NPD ind Niedersachsen repräsentieren würden. Diese Fehleinschätzung mag wohl auch am Alkoholkonsum gelegen haben, dem sich einige NPD-Delegierte am vergangenen Wochenende hingaben.
Die NPD-Niedersachsen veröffentlichte im Nachgang des Landesparteitages eine Fotographie des neuen Vorstandes. Dabei wurden zwei Mitglieder ausgelassen…
Aus Gründen der Vollständigkeit halber hier der komplette Vorstand vor neuer Tapete: Ulrich Eigenfeld, Gianluca Bruno, Torsten Schönrock, Christina Krieger, Andreas Haack, Markus Grimm, Manfred Dammann, Matthias Ries, Martin Ahlborn (von links nach rechts)
Der neue Beisitzer im niedersächsischen NPD-Landesvorstand Gianluca Bruno während der Abreise.
Mit der Abwahl von Ulrich Eigenfeld (hier im Hintergrund) geht für die NPD-Niedersachsen auch eine politische Ära dem Ende entgegen. Eigenfeld, der von der militanten Neonaziszene in der Vergangenheit mitunter als “demokratischer Betonkopf” bezeichnet wurde, wurde dem “moderaten” Flügel der NPD zugerechnet. Inwieweit sich die Aktivitäten der NPD-Niedersachsen nun nachhaltig verändern werden, bleibt abzuwarten.
Beobachter*innen erwarten angesichts der Wahl von Manfred Dammann zum neuen Landesvorsitzenden verstärkte Aktivitäten der NPD-Niedersachsen. Dies dürfte sich vor allem im Kontext der anstehenden Wahlkämpfe zeigen.
Inwieweit die Wahl von Manfred Dammann zum neuen Landesvorsitzenden zu einer Reaktivierung militanter Neonazis in Niedersachsen führt, bleibt hingegen abzuwarten. Diese hatten dem niedersächsischen Landesverband in den vergangenen Jahren aufgrund des “demokratischen Kurses” unter Ulrich Eigenfeld zunehmend den Rücken gekehrt.
Zumindest Ulrich Eigenfeld wird in dieser “neuen” NPD-Niedersachsen wohl keine ernstzunehmende Rolle mehr spielen.
Zitieren
Recherche Nord: Landesparteitag der NPD-Niedersachsen 2017 in Petersdorf, Petersdorf, 28.05.2017.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2017-05-28/