Nazirock im Bandito-MC Clubhaus in Wahlstedt Schleswig-Holstein
Am vergangenen Samstag, den 13.05.2017, fand im Clubheim des "Bandido MC Northgate", dem sogenannten "Kuddel's Inn" im schleswig-holsteinischen Wahlstedt ein Neonazi-Konzert mit den Bands "Kategorie …
Die Schleusung zu der Konzertveranstaltung, verlief ab 17 Uhr über zwei Schleusungspunkte an der A21 und der B206. Dort erhielten anreisende Teilnehmer*innen die Koordinaten zum späteren Veranstaltungsort: die kleine Stadt Wahlstedt, unweit von Bad Segeberg gelegen.
Die zuvor im Internet beworbene Veranstaltung entwickelte sich zum Stell-Dich-ein der organisierten und überregionalen Neonaziszene im Norden und offenbarte abermals die Verbindungen in die organisierte Kriminalität, insbesondere ins Rocker-Milieu.
Die Räumlichkeiten des „Bandido MCs“ schienen nicht zufällig gewählt worden. Deren Mitglieder beteiligten sich aktiv an der Ausrichtung des Events, so übernahmen sie die Schleusung anreisender Neonazis, bemühten sich um die Sicherheit der Veranstaltung und versuchten anwesende Journalist*innen bei der Dokumentation zu behindern.
Unter den angereisten Teilnehmer*innen befanden sich einschlägige Personen der organisierten Neonaziszen wie beispielsweise der Hamburger Neonazi Thorsten de Vries. Der langjährige Neonazi scheiterte zuletzt mit dem Versuch zum 12.09.2015 in Hamburg eine Hooligan-Demonstration anzumelden. In den letzten Wochen entdeckte de Vries verstärkt seine Nähe ins Rechts- und Nazirockmilleu. Wiederholt postete er, in Anspielung auf die Bremer Rechtsrockband “Kategorie C” in sozialen Netzwerken Bilder welche mit dem Label “KC Crew Hamburg” versehen waren.
Die Bezeichnung “Crew” findet sich oft im gewaltbereiten Umfeld von Rechts- und Nazirockgruppen. Bekannte Beispiele dafür sind die “Oidoxie Streetfighting Crew” aus dem Umfeld der “Combat 18” Musikgruppe “Oidoxie”, wie auch die “Endstufe Crew” aus dem Umfeld der Bremer Hammerskinband “Endstufe”.
Der Sänger der Bremer Nazibands “Kategorie C” und “Nahkampf” Hannes Ostendorf vor Beginn der Veranstaltung in Wahlstedt. Der Schriftzug “Waffenbrüder” spielt in verherrlichender Weise auf die “Waffen-SS” und deren europäischen Freiwilligenverbände an.
Mitglieder des “Bandido MC Northgate” gemeinsam mit Hannes Ostendorf vor dem Bandido Clubhaus in Wahlstedt.
Der “Bandido MC Northgate” besitzt enge Verbindungen in die organisierte Neonaziszene. Zu den Führungspersonen gehöhren bereits in der Vergangenheit Aktivisten des in der Bundesrepublik verbotenen Netzwerks von “Blood & Honour”. Auf dem Bild (vierte Person von rechts, untere Reihe) befindet sich auch der ehemalige B&H-Aktivist Alexander Hardt
Die scheinbar exellentenVerbindungen von Neonaziszene und dem sogenannten “Outlaw-Club” des “Bandido MC Northgate” kamen am vergangenen Wochenende erneut zum tragen.
Die anwesenden Mitglieder des “Bandido MC” übernahmen konsequenterweise nicht nur einen Teil der Ausrichtung sondern stellten auch einen Teil der Besucherschaft.
Vor Ort befanden sich ebenfalls führende Mitglieder der NPD. So auch Mark Proch (rechts im Bild), seines Zeichens NPD-Ratsherr im Stadtrat von Neumünster, hier im Gespräch mit dem langjährigen Hamburger Neonaziaktivisten Thorsten de Vries.
Nachdem ein Großteil der Neonazis bereits ab 18 Uhr die Räumlichkeiten des “Outlaw Motorcyleclubs” im Wahlstedter Industriegebiet erreichte, erschien die Polizei ab 19 Uhr mit Einsatzkräften am Ort des Geschehens und kontrollierte nachrückende Teilnehmer*innen. Etliche der anreisenden Neonazis machten ihre Zugehörigkeit zur organisierten Neonaziszene durch das Verwenden von Szenekürzeln wie “BH”, “C18” oder “1488” in ihren Autokennzeichen deutlich.
Eine schwer bewaffnete Spezialeinheit der Eutiner Polizei sperrte zum Zweck der Vorkontrolle eine Zufahrt an der Hauptstraße zum Clubheim. Eine Maßnahme, welche offensichtlich eher dem Veranstaltungsort als der politischen Ausrichtung der Veranstaltung geschuldet war.
Anreise Neonazis wurden dort zum Teil erkennungsdienstlich behandelt.
Ebenso anwesend waren Neonazis aus den Strukturen des Terrornetzwerks „Combat 18“ (C18) wie Marco Eckert (hier links im Bild), die erst im vergangenen Jahr, zum „Tag der deutschen Zukunft“ (TDDZ) in Dortmund gemeinsam mit dem C18-Gründer Will “the Beast” Browning in Erscheinung traten. Browning gilt dabei als politischer Überzeugungstäter. Unter seiner Leitung schlossen sich Neonazis innerhalb von “Combat 18” zusammen um den bewaffneten Kampf nicht nur zu propagieren, sondern diesen in die Tat umzusetzen.
Auch Neonazis aus Uecker-Randow (Mecklenburg-Vorpommern) gerieten am vergangenen Samstag in die Vorkontrollen der Polizei.
Auch der ursprünglich aus Cismar im Kreis Ostholstein stammende Bergeest war am vergangenen Wochenende in Wahlstedt zugegen., Bergeest wohnte zwischenzeitlich in Dänemark in einer Wohngemeinschaft mit Flemming Muff Christiansen, Führungsfigur von B&H in Dänemark und Betreiber des Labels “Celtic Moon”. Auch Bergeest trat bereits als Aktivist von “Blood & Honour Danmark” in Erscheinung und ist so mit dem theoretischem Überbau vom “führerlosen Widerstand” von “Combat 18” bestens vertraut. Auch Bergeest traf im vergangenen Jahr mit dem C-18 Gründer Will Browning in Dortmund zusammen.
Während die Polizei im Nachgang der Veranstaltung von etwa 60 Teilnehmenden sprach, konnten insgesamt wohl über 100 Neonazis und Personen aus dem Rocker-Milieu aus verschiedenen Bundesländern in Wahlstedt zusammenkommen.
Ein langjähriger Freund des bereits erwähnten Hamburger Neonaziaktivisten Thorsten de Vries war ebenfalls Gast der Veranstaltung. Sven Johansson (hier Bildmitte) war früher, ebenso wie viele weitere Konzertbesucher*innen im Umfeld von “Blood & Honour” organisiert und gehört ebenso zum Bekanntenkreis des ehemaligen “Blood & Honour” Führungskaders Stefan Silar (ehemals “Blood & Honour Nordmark”) aus Tostedt befreundet. Inzwischen ist Johansson bei den Rockern von “Gremium MC” unterkommen, einem der letzten “Outlaw-MCs” die sich nicht den Hells Angels oder den Bandidos angeschlossen haben.
Bildmitte: Jan Steffen Holthusen. Der Neonazifunktionär ist seit Jahren einer der führenden Köpfe der neonazistischen Szene Hamburgs. In den 90er startete er mit der Kameradschaft “Bramfelder Sturm”, und gab dessen gleichnamige Zeitschrift seit 1994 heraus. 1997 benannten sich Kameradschaft und das Nazi-Blatt in “Hamburger Sturm” um. Mit Holthusen als Herausgeber wurde dort 1999 der bewaffnete Kampf propagiert. So hieß es dort: “Wir sind im Krieg mit diesem System und da gehen nun mal Bullen oder sonstige Feinde drauf.” Heute agiert Holthusen als Landesgeschäftsführer der NPD in Hamburg.
Neben Neonazis die sich aus Strukturen von “Blood & Honour” (B&H) rekrutierten, waren auch Mitglieder der “Hammerskins” in Wahlstedt vertreten. Zu diesen gehörte der in Mölln wohnhafte Thorsten Wolff (rechts), welcher regelmäßig das “Thinghaus” in Grevesmühlen besucht und an die Mecklenburger “Hammerskin”-Struktur angebunden ist. Schon seit einiger Zeit ist eine zunehmende Zusammenarbeit der ursprünglich konkurrierenden “Hammerskin”-Organisationsstrukturen mit denen von “Blood & Honour” zu beobachten.
Interessant war am vergangenen Samstag auch die Anwesenheit des Neonazis Rene Callesen (ganz links im Bild), einem bekennenden “Hells Angels” Supporter, der dem Milieu-Laden “Lokalpatriot” auf der Hamburger Reeperbahn zugeordnet werden kann. Callesen ist eng befreundet mit Thorsten de Vries und Sacha Bothe, einem ehemaligen “Blood & Honour”-Kader aus Niedersachsen (“Blood & Honour Nordmark”), der mittlerweile bei dem größten “Hells Angels” Supporter Club “Red Devils MC” in Hannover aktiv ist. Fraglich ob die “Bandidos” wussten, dass sie sich mit diesem Rechtsrock-Konzert auch einige Supporter der verfeindeten “Hells Angels” in ihr Clubhaus holen oder ob in diesem Falle die Nazi-Kameradschaft über der Rockerfeindschaft steht. Dies wird umso interessanter nachdem die Behörden in den vergangenen Monaten vor einem neuen “Rockerkrieg” zwischen den beiden verfeindeten Rockergruppen warnen welcher sich am Firmament abzeichen würde.
Auch der Bremer Neonazi Marcel Kuschela, aka “Captain Flubber” fühlte sich scheinbar wohl in den Räumlichkeiten und im Kreis des “Bandidos MC Northgate”. Organisatorisch trat Kuschela in der Vergangenheit vor allem in den Strukturen von “HoGeSa” und “Gemeinsam Stark Deutschland” (GSD) in Erscheinung. Im vergangenen Jahr zog sich Kuschela aus diesen Strukturen weitestgehend zurück.
Warum die Behörden in Schleswig-Holstein, nun zum wiederholtem Mal das einschlägige Neonazikonzert gewähren ließ, blieb am Wochenende das Geheimnis der Einsatzleitung der Polizei. Eine Stellungnahme blieb die Einsatzleitung schuldig. Die Verbindungen zu den Netzwerken von “Blodd & Honour”, “Combat 18” und den “Hammerskins” schienen zumindest keinen Anlaß zu geben sich in Sichtweite des Konzertes zu positionieren. Stattdessen konnte die Veranstaltung bis zuletzt relativ ungestört über die sprichwörtliche Bühne gehen.
Zitieren
Recherche Nord: Nazirock im Bandito-MC Clubhaus in Wahlstedt Schleswig-Holstein, Wahlstedt, 13.05.2017.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2017-05-13/