Neonazitreffen in Wetzlar
Am vergangenen Samstag, den 24.03.2018 sollte in Wetzlar (Hessen) der Wahlkampfauftakt der NPD-Hessen stattfinden.
Anläßlich der bevorstehenden Landtagswahl im Oktober 2018 warb die NPD-Hessen im Vorfeld unter dem Motto “Heimat, Familie, Tradition” für einen Kongress in der Stadthalle. Mitglieder des Landes- sowie des NPD-Bundesvorstandes waren als Redner*innen angekündigt. Vertreter der Kleinstpartei “Die Rechte”, der NPD-Jugendorganisation “Junge Nationalisten” (JN) sowie parteiunabhängige Neonazis hatten ihren Auftritt angekündigt. Die Veranstaltung wurde zusätzlich mit dem Auftritt mehrerer Rechtsrockbands beworben.
Zur Durchführung der Veranstaltung verlangte die Stadt Wetzlar das die NPD verschiedene Punkte im Vorfeld zu erfüllen habe. Dazu zählte die Bereitstellung eines eigenen Sicherheitsdienstes, ein Sanitätsdienst sowie eine Versicherung welche für eventuelle Schäden aufzukommen habe. Der letzte Punkt gestaltete sich für die NPD-Hessen zum Problem nachdem Thassilo Hantusch (hier rechts im Bild) diese unter falschen Angaben abschloß. So wurde eine Versicherung nicht für eine NPD-Veranstaltung abgeschlossen sondern für einen fiktiven “Hantusch Kongress”.
Nachdem die wirklichen Hintergründe der Veranstaltung bekannt wurden, zog die Versicherung ihre Zusagen zurück. Dies führte dazu das wiederum die Stadt Wetzlar einen Tag vor Veranstaltungsbeginn die Freigabe der Stadthalle verweigerte. Das Vorgehen der NPD-Hessen, unter falschen Angaben eine Versicherung (“Hantusch-Kongress”) zu erhalten, fiel somit dem Organisationskreis der NPD-Hessen (hier der Fraktionsschatzmeister der NPD im Wetterauer Kreistag, Stefan Jagsch) letztlich vor die Füße.
Dennoch wurde die Veranstaltung von der NPD-Hessen und ihren Bündnispartnern weiterhin beworben. Man sprach nun von einem geschichtsträchtigen Ereignis das sich in Wetzlar abzeichnen würde, da die Stadt die demokratischen Rechte der NPD in Hessen beschneiden würde.
Die Mobilisierungsversuche der NPD-Hessen verliefen allerdings größtenteils im Sande. Insgesamt reisten etwa 200 Neonazis zu dem “geschichtsträchtigen Ereignis” an. Ein Großteil davon hielt sich zerstreut im Stadtgebiet auf. Nur an einem Punkt, einem Hotelkomplex in unmittelbarer Nähe der Stadthalle, konnte sich eine größere Gruppe von ca. 80 Personen versammeln.
Polizeikräfte führten daraufhin rigeros Personalkontrollen durch und sorgten dafür das die versammelten Neonazis am Hotelkomplex gebunden wurden.
Unter den angereisten Neonazis befanden sich zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglieder der Rechtsrockband “Oidoxie” (Bildmitte), welche ursprünglich auf dem NPD-Kongress auftreten sollten.
Der versammelte Personenkreis hoffte bis zuletzt auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, welche um 14 Uhr erwartet wurde, und der NPD den Weg zur Nutzung der Stadthalle freimachen würde.
Neonazis wie Lars Schulz (Bild), der sich vor allem um die Koordinierung der angekündigten Rechtsrockbands bemühte, hofften somit bis zum Schluß auf eine erfolgreiche Durchführung des geplanten NPD-Kongresses.
Die bereits angereisten Neonazis bemühten sich möglichst viele ihrer Unterstützer*inen zum Hotelkomplex zu beordern. Vor dort aus sollte dann zur Stadthalle weitergezogen werden.
Vor Ort befand sich auch Marco Gottschalk, seines Zeichens Sänger der “White-Power” und Rechtsrockband “Oidoxie”. Die Formation wird dem Netzwerk von “Combat 18” (C18) zugerechnet. Auffällig war das ungeheure Interesse von Medienvertreter*innen an Gottschalk, die vor allem mit der anhaltenden Berichterstattung über “Combat 18” in den vergangenen Monaten zusammenhing.
Die anreisenden Neonazis mussten sich strengen Personal- und Körperkontrollen unterziehen.
Auch der Landesgeschäftsführer der NPD-Hessen, Daniel Lachmann, befand sich unter den versammelten Neonazis.
Auch anreisende Mitglieder von “Oidoxie” hingen kurzfristig in den Polizeikontrollen fest.
Marco Eckert, Teil der Band “Oidoxie” und der ebenfalls zum “Combat 18” und “Blood & Honour” Netzwerk gehörenden Rechtsrockband “Sturmwehr”. Eckert betreibt darüber hinaus den einschlägigen Sturm18-Versand.
Auch Martin Krause (“Oidixie”) verharrte einige Augenblicke bevor er sich zum Sammelpunkt im Hotelkomplex begeben konnte.
Währenddessen versuchte Thassilo Hantusch weiterhin (erfolglos) die Polizeiführung davon zu überzeugen das die NPD im Recht sein und das diese der NPD und ihren Anhänger*innen den Weg zur Stadthalle freimachen solle.
Gegen 14 Uhr entschied dann das Bundesverfassungsgericht (BVG) das die NPD-Hessen durchaus berechtigt sei einen Mietvertrag mit der Stadt Wetzlar einzugehen. Der Jubel der angereisten Neonazis verstummte allerdings nachdem die Stadt Wetzlar darauf hinwies, das dazu allerdings die genannten Forderungen (Sanitäts- und Sicherheitsdienst, Versicherung) erfüllt werden müssten. Dies sah die Stadt nicht erfüllt und weigerte sich weiterhin einen Mietvertrag mit der NPD-Hessen abzuschließen.
Letztendlich blieb der NPD-Hessen die Nutzung der Stadthalle verwehrt.
Auch der Umstand das die NPD-Hessen damit drohte, mittels eines Gerichtsvollziehers die Stadthalle aufbrechen zu lassen, änderte nichts an der Entscheidung der Stadt Wetzlar.
Sehr zum Missfallen der NPD-Hessen (hier Ingo Helge, seines Zeichens Schulungsleiter der NPD-Hessen)..welche daraufhin von Auswüchsen eines “Wetzlarer Landrechts” fabulierten.
Inzwischen hat die NPD Strafanzeige gegen den Wetzlarer Oberbürgermeister erstattet.
Die angereisten Neonazis kompensierten die Situation zum Teil durch ausgiebigen Alkoholkonsum. Entsprechende Getränke konnten im Hotel erworben werden.
In Wetzlar kamen auch die Mitglieder der Rechtsrockband “Kategorie-C”, hier deren Sänger Hannes Ostendorf, zum Stelldichein zusammen.
Nachdem abzusehen war, das die geplante Veranstaltung in der Stadthalle von Wetzlar nicht mehr stattfinden würde, versuchten die angereisten Neonazis einen Ausweichort zu organisieren. Insbesondere die Anwesenheit der im Vorfeld angekündigten Rechtsrockbands deutete auf eine solche Ausweichveranstaltung hin.
Die Ersatzveranstaltung fand schließlich im nahegelegenen Leun statt… eine entsprechende Dokumentation findet sich in einer weiteren Gallery :)
Zitieren
Recherche Nord: Neonazitreffen in Wetzlar, Wetzlar, 24.03.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-03-24-2/