Demonstrationsversuch der Identitären Bewegung in Halle
Am 20.07.2019 lud die Identitäre Bewegung nach Halle, um eine nach Selbstangaben »echte Gegenkultur und identitäre Alternativen zum Mainstream« unter Beweis zu stellen.
Etwa 200 Personen folgten diesem Aufruf. Damit blieben sie unter den erwarteten Zahlen weit zurück.
Anders als angekündigt starteten sie nicht mit ihrer Demonstration ab 12:00 Uhr vom Hauptbahnhof, sondern sammelten sich vor dem identitären Hausprojekt »Haus Flamberg« in der Adam-Kuckhoff-Straße.
Das »Haus Flamberg« ist seit Beginn der Nutzung ein Brennpunkt in der Stadt. Es ist Wohnsitz einiger Aktivist*innen der Identitären Bewegung Halle und beinhaltet verschiedene Büros.
Der geänderte Startpunkt der Demonstration zum Hausprojekt hatte allerdings Konsequenzen. Der Slogan »Wir werden keinen Meter weichen« wurde aufgrund der anhaltenden Gegenproteste Realität.
Schon zu Beginn fuhr Martin Sellner mit einiger Gefolgschaft in einem Großraum-Taxi zum Hauptbahnhof. Diese Aufbruchstimmung wandelte sich schnell in Frust um, da es aufgrund diverser Blockaden nicht möglich war zum Veranstaltungsort zurückzukehren.
Aline Catinca Manescu (links) und der Ex-Delmenhorster Mario Müller (rechts)
Mario Alexander Müller war vor der Zeit in der Identitären Bewegung und der Kontrakultur Halle bei den Jungen Nationaldemokraten (JN) und den Autonomen Nationalisten aktiv.
Dass der Rechtsanwalt Gerhard Vierfuß (links im Bild) ein T-Shirt mit dem Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg trägt, ist nicht ganz unironisch. So verteidigte er den ehemaligen Vorsitzenden der niedersächsischen Jungen Alternative (JA) Lars Steinke vor Gericht, nachdem er Stauffenberg als »Verräter« und »Feigling« bezeichnet hatte.
Der Oldenburger Gerhard Vierfuß vertrat die Identitäre Bewegung auch im Fall gegen den Verfassungsschutz. Aktiv ist er außerdem in der AfD Oldenburg, wo er zuvor auch einen Sprecherposten inne hatte.
Die Anreise der Aktivist*innen aus dem Ruhrgebiet erfolgte per Bus.
Marius König vom identitären »Ruhrpott Roulette«
Trotz des Laufverbotes versuchte die Identitäre Bewegung medial wirksame Bilder zu generieren.
Mehrfach wurde dazu aufgerufen fahneschwenkend auf die Straße vor dem Haus zu gehen.
… konnte bei heißem Wetter beobachtet werden, wie …
… die wartenden Demonstrationsteilnehmer*innen versucht haben schattige Orte zu finden.
… so musste dieser Teilnehmer sein NPD-Shirt auf links drehen.
Die anhaltenden Blockaden bereiteten den Verantwortlichen Kopfschmerzen.
Ein Krisentreffen folgte dem nächsten. Jedoch ohne Erfolg.
Die Organisator*innen hatten die Lage nur scheinbar im Griff. Dass der Aufzug nicht stattfinden wird, wollten sie nur ungern eingestehen.
Der Gegenprotest war in der gesamten Umgebung aktiv und blockierte alle Ausgänge aus der Straße.
Führungskader wie Daniel Fiß versuchten -sichtlich genervt- die Situation zu skandalisieren.
Wütend war man darüber, dass der Verfassungsschutz die Identitäre Bewegung als rechtsextrem einstuft.
Alexander ‘Malenki’ Kleine versuchte für Stimmung zu sorgen.
Tommy Robinson, mit bürgerlichem Namen Stephen Yaxley-Lennon, ist Gründer der English Defence League (EDL). Er wurde zu 9 Monaten Haft wegen »Missachtung des Gerichts« verurteilt.
Festgenommene wurden von der Polizei unter klatschen duch die Menge der wartenden Identitären geführt.
Musikalisch war es eher eintönig. Einige Lieder des identitären Rappers Komplott wurden rauf und runter gespielt.
Abwechlung gab es durch musikalisch vorgetragene AfD-Wahlwerbung von Till Lucas Wessel.
Mehrmals trafen sich Identitäre zu einem Gruppenfoto.
Daniel Fiß musste den wartenden Veranstaltungsteilnehmer*innen letztendlich mitteilen, dass es keine Demonstration geben wird.
Am Rande der nicht laufenden Demonstration wurde ein Auto angezündet, das einem jungen Identitären aus Berlin gehört haben soll. Bereits im Vorfeld gab es Aktionen gegen Eigentum von Aktivist*innen der Identitären Bewegung.
Auf diesem Gruppenfoto sind die Aktivist*innen aus dem Ruhrgebiet zu sehen.
Mit fortschreitender Stunde stieg auch der Alkoholkonsum.
Nach den Trinkspielen folgten die Eskapaden. Erst wurden linke Arbeiterlieder gesungen, später gab es in Anwesenheit der Presse einen oberkörperfreien Moshpit vor dem Hausprojekt.
Zitieren
Recherche Nord: Demonstrationsversuch der Identitären Bewegung in Halle, Halle, 20.07.2019.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2019-07-20_halle/