"Tag der Ehre" in Budapest (Teil 1)
Unter der Bezeichnung „Ausbruch60“ („Kitörés túra“ / „Escape march“) veranstalten Neonazis um die ungarische Gruppierung „Börzsöny“ hier seit dem Jahr 2006 eine sogenannte „Gedenk- und Wandertour“ - in Erinnerung an die Belagerung von Budapest im 2. Weltkrieg.
Entgegen dem ausdrücklichen Befehl des damligen Reichskanzlers Adolf Hitler versuchten in der Nacht zum 12. Febuar 1945 etwa 17.000 deutsche Soldaten und ihre ungarischen Verbündeten den Belagerungsring der Roten Arme um Budapest zu durchbrechen und aus der Stadt zu gelangen. Nur etwa 700 Soldaten entkamen dem Kessel. Damit endete der seit dem 29. Oktober 1944 andauernde Kampf um Budapest in der Endphase des zweiten Weltkrieges.
Neonazigruppen aus ganz Europa gedenken seit Jahren an jedem 12. Februar dem militärischem Desaster mit dem sogenannten „Day of Honor“ in Budapest. Während bis zum Jahr 2006 die Veranstaltungen vor allem durch die Neonazigruppierung „Blood & Honour“ als stationäre Kundgebung durchgeführt wurde, findet seit 16 Jahren auch dier bereits erwähnte „Gedenk- und Wandertour“ statt.
Die Veranstaltung erfreut sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. Die Zahl der Teilnehmer:innen des Neonazi-Events ist über die Jahre stark gestiegen. Nahmen im Jahr 2009 noch etwa 150 Neonazis an der Veranstaltung teil, waren es im Jahr 2020 bereits etwa 3300 Teilnehmende.
Während die Anzahl in den letzten beiden Jahren mit etwa 2800 Teilnehmer:innen leicht sank, nahmen im Jahr 2023 erneut über 3500 Neonazis und Unterstützer:innen an der Veranstaltung teil. Ein Großteil von zugreisten Neonazis kam dabei, trotz zahlreicher Ausreiseverbote, wie bereits in den Vorjahren aus Deutschland - welche damit den größten Anteil von internationalen Teilnehmenden ausmachten.
Die Veranstaltung bietet inzwischen verschiedene Schwierigkeitsgrade an. Angereiste Neonazis können zwischen Strecken von jeweils 25, 35 und 60 Kilometer Länge wählen. Wobei ein Großteil sich für die letztgenannte Streckenlänge entschied.
Charakteristisch an der „Gedenkveranstaltung“, beispielsweise im Vergleich zum zeitgleich stattfindenden Neonazidemonstration in Dresden, ist in Budapest ein vergleichsweise geringer Widerspruch der Zivilgesellschaft.
Neben der „Gedenk- und Wandertour“ wurde im Vorfeld auch die stationäre Kundgebung zum „Day of Honor“ in Budapest beworben. organisiert wurde die diesjährige Veranstaltung von der Neonazigruppierung „Légió Hungária“ - die ungarischzen Behörden untersagten die Veranstaltung jedoch im Vorfeld.
Dennoch sammelten sich gegen am 11. Februar gegen 13 Uhr dennoch mehrere Hundert Neonazis auf einem Berg am westlichen Stadtrand von Budapest. Von den Ordnungsbehörden weitgehend unbeobachtet griffen diese hier Journalist:innen an.
Der „Ausbruch60“ blieb jedoch erlaubt. So konnten, wie bereits in den Vorjahren mehrere tausend Neonazis an der Veranstaltung teilnehmen.
Zitieren
Recherche Nord: "Tag der Ehre" in Budapest (Teil 1), Budapest, 11.02.2023.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2023-02-11-bud-anreise/