Patriotische Wander-Bewegung in Westfalen
Am 08. August führte der nordrhein-westfälische Ableger der Gruppierung „Patriotische Bewegung“ eine Wanderung am Rande des Teutoburger Waldes durch. Diese belegt erneut die enge Vernetzung zwischen der organisierten Neonazi-Szene und dem Umfeld der AfD.
Am 08. August führte der nordrhein-westfälische Ableger der Gruppierung “Patriotische Bewegung” eine Wanderung im Nordosten von Nordrhein-Westfalen am Rande des Teutoburger Waldes durch. Die Route führte dabei von Horn-Bad Meinberg zum Hermannsdenkmahl und den Externsteinen.
Treffpunkt zum Beginn der Wanderung war am Vormittag der Bahnhof in Horn-Bad Meinberg.
Die „Patriotische Bewegung“ hatte offenbar erhebliche Mobilisierungsprobleme: An der Wanderung nahmen insgesamt lediglich vier Personen teil.
Bei der „Patriotischen Bewegung“ handelt es sich um eine kleine, aktionsorientierte Gruppierung aus dem extrem rechten bzw. neonazistischen Spektrum, deren Anhänger:innenschaft vor allem jugendlichen Alters ist und die zugleich als Schnittstelle zur AfD und deren Jugendorganisation dient. Bild: Schwerin, 08.08.2026
Mitglieder der „Patriotischen Bewegung“ nahmen zuletzt an einer Demonstration der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Schwerin teil und zeigten, dass sie in das politische und personelle Umfeld der AfD-Jugend eingebunden sind.
An der nun Anfang August durchgeführten Wanderung nahm zudem Daniel Kokott teil. Dies verweist auf weitere Verbindungen der „Patriotischen Bewegung“ in das neonazistische Spektrum und unterstreicht ihre Einordnung im extrem rechten Milieu.
Daniel Kokott steht exemplarisch für die enge Vernetzung zwischen der organisierten Neonazi-Szene und dem Umfeld der AfD. Seine Aktivitäten verdeutlichen, dass die Abgrenzung zwischen der AfD und Teilen des neonazistischen Spektrums faktisch durchlässig ist.
So gehörte Daniel Kokott zu den mutmaßlichen Organisatoren bzw. Führungspersonen der neonazistischen Gruppierung „Der Störtrupp“ (DST). Die Gruppierung trat 2025 bundesweit bei zahlreichen, politisch einschlägigen Demonstrationen in Erscheinung.
Kokott übernahm dabei wiederholt eine führende Rolle als Versammlungsleiter, trat mit Redebeiträgen vor den versammelten Neonazis auf und bemühte sich vor allem, die unterschiedlichen Strukturen des neonazistischen Spektrums organisatorisch zusammenzuführen.
Die „Freischar Westfalen“ verfolgte offenbar militant ausgerichtete Zielsetzungen. Bei einer Razzia gegen die Neonazi-Szene in Ostwestfalen-Lippe wurden am 1. Oktober 2025 insgesamt sechs Wohnungen durchsucht, unter anderem im Umfeld eines lokalen „Active Clubs“ und der mit ihnen vernetzten „Freischar Westfalen“. Dabei wurden unter anderem eine scharfe Pistole, eine Armbrust, Macheten, Messer und Softair-Waffen sichergestellt.
Im März 2026 löste sich die „Freischar Westfalen“ nach zunehmendem staatlichen Druck und den vorausgegangenen Durchsuchungsmaßnahmen auf. Als Grund wurde aus dem Umfeld der Gruppe die zunehmende Repression genannt.
Bereits vor der Auflösung der „Freischar Westfalen“ intensivierte Kokott seine Zusammenarbeit mit der AfD. Im Dezember 2025 wurde er auf Vorschlag der AfD als „sachkundiger Bürger“ in den Gemeinderat von Leopoldshöhe berufen und für mehrere Ausschüsse benannt.
Da Teile der AfD in Nordrhein-Westfalen, insbesondere in Ostwestfalen, kaum Berührungsängste gegenüber der militanten Neonazi-Szene zeigen, tritt Kokott inzwischen regelmäßig – auch bei internen Veranstaltungen – im Umfeld der AfD in Erscheinung. Wie hier bei einem Ausflug der AfD zu den Externsteinen im Februar 2026.
Bei gemeinsamen Ausflügen, wie im Februar 2026 mit Björn Höcke zu den Externsteinen, zeigt sich die enge Verbindung zum AfD-Establishment besonders deutlich. Dabei wurde Kokott unter anderem von dem AfD-Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich begleitet – jenem Politiker, der sich in früheren Chats als „freundliches Gesicht des NS“ bezeichnete.
Dass Kokott nun gemeinsam mit der „Patriotischen Bewegung“ auftritt, verdeutlicht deren politische Verortung: Die Gruppierung bewegt sich im Schnittfeld zwischen dem AfD-Umfeld und der organisierten Neonazi-Szene und bietet damit eine Verbindung zwischen beiden Milieus.
Wanderungen sind ein klassischer Bestandteil der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“. Mit den Externsteinen und dem Hermannsdenkmal wurden dabei zwei nationalistisch aufgeladene Orte aufgesucht. Die Aktion zeigt zudem, wie diese Erlebniswelt gezielt für soziale Medien inszeniert werden kann, ohne dass dafür eine breite gesellschaftliche oder lokale Verankerung erforderlich ist.
Abzuwarten bleibt gleichwohl, ob sich die „Patriotischen Bewegung“ in Nordrhein-Westfalen neben einer „Generation Deutschland NRW“, welche bereits mit regelmäßigen Wanderungen, gemeinsamen Sonnenwendfeiern und Besuchen von Kriegerehrenmalen erhebliche Bestandteile einer rechtsextremen Erlebniswelt abgedeckt, dauerhaft etablieren kann.
Auf dem Hermannsdenkmal entrollte die „Patriotischen Bewegung“ schließlich noch eine Deutschlandfahne. Damit verstieß sie gegen die geltende Hausordnung, die politische Willensbekundungen auf dem Gelände untersagt. Eine ähnliche Aktion der „Identitäre Bewegung“ führte zuletzt zu einem größeren Polizeieinsatz und Ermittlungen wegen Hausfriedensbruchs.
Und vorne mit dabei: der „sachkundige Bürger der AfD“, Daniel Kokott (links), der damit erneut die enge Verbindung zwischen dem AfD-Umfeld und der extrem rechten Szene sichtbar macht.
Zitieren
Recherche Nord: Patriotische Wander-Bewegung in Westfalen, Horn-Bad Meinberg, 08.08.2026.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2026-08-08/