Tag der deutschen Zukunft in Goslar
Nach knapp einjähriger Mobilisierung fand am 02.Juni 2018 in Goslar die zehnte Ausgabe des sogenannten "Tag der Deutschen Zukunft" (TDDZ) statt.
Bereits weit vor Veranstaltungsbeginn fanden sich die ersten Teilnehmer*innen der neonazistischen Demonstration am Auftaktort ein.
Anreisende Neonazis wurden vereinzelt von der Polizei in einem eigens dafür aufgebauten Zelt durchsucht.
Die Organisator*innen um Joost Nolte (links im Bild) und Carsten Dicty nahmen das Durchsuchungszelt persönlich in Augenschein.
Sebastian Weigler, Kopf der “Jungen Nationalisten Braunschweig”, der Jugendorganisation der NPD, brachte sich im Vorfeld ebenfalls in die Organisierung und Mobilisierung ein.
eine kleine Reisegruppe aus Ostfriesland/Friesland fand sich ebenfalls in Goslar ein.
Benjamin Krüger, ehemaliges Mitglied der verbotenen Kameradschaft “Besseres Hannover”, auf dem Weg zurück zur Neonazidemonstration, nachdem er versuchte, Gegendemonstrant*innen abzufotografieren.
Rechts im Bild: Sören Surdyk, den es nach einer Haftstrafe ebenfalls in die Region Nordharz verschlug. Surdyk ist seit kurzem für den neonazistischen Sanitätsdienst “Nordland” aktiv.
Aus dem Ruhrgebiet und dem Rheinland reise eine größere Gruppe Neonazis an.
Rechts im Bild: Thorsten Schuster aus Hamburg, Mitorganisator des “TDDZ” 2012 in Hamburg
Rechts im Bild: Thorsten Heise, NPD- und Kameradschaftsfunktionär aus Fretterode (Eichsfeld). Heise geriet in die Schlagzeilen, als von seinem Grundstück aus ein heftiger Angriff auf anwesende Journalist*innen erfolgte. Einer der Hauptverdächtigen ist der NPD-Funktionär Gianluca Bruno (Bildmitte)
Auch regionale Kleinststrukturen reisten nach Goslar, hier Vertreter*innen der “Kameradschaft Einbeck” um Maurice Brosenne
Die Neonazis fanden sich unfreiwillig unter einem Protestbanner zusammen.
Matthias Drewer verdingt sich seit geraumer Zeit als neonazistischer Fotograf mit dem Pseudonym “Stahlfeder”.
In einer Bushaltestelle wurden die Ordner eingewiesen.
Mit mindestens 400 Teilnehmerinnen hatten die Organisatorinnen um den “die Rechte”-Verband “Süd-Ost-Niedersachsen” gerechnet. Am Ende wurden es nur knapp 260.
Joost Nolte führte als Moderator durch die Veranstaltung. Sein eigener Redebeitrag dauerte nich einmal 3 Minuten.
Dictys Versuch, Parolen vorzugeben und für Stimmung zu sorgen, schlug gründlich fehl. Die Reaktion des Publikums lässt sich mit “peinlich berührt” treffend beschreiben.
Offenbar haben die Organisatorinnen schon im Vorfeld mit einer enttäuschenden Teilnehmerinnenzahl gerechnet. In Dictys Script findet sich der Satz “Wir sind wenige”.
Als erster überregionaler Redner trat Sascha Krolzig aus Nordrhein-Westfalen ans Mikrofon.
Dieter Riefling bekam erneut von den Behörden ein Rede- und Livestreamverbot auferlegt. So blieb dem Neonazi aus der Nähe von Hildesheim nur der einsame Gang zum Dixi.
Torsten Heise benannte in seiner Rede anwesende Journalist*innen namentlich.
Anschläge auf die Bahnstrecke nach Goslar sorgten dafür, dass eine Gruppe Neonazis aus den neuen Bundesländern erst eintraf, nachdem die Auftaktkundgebung bereits beendet war.
Marcel Kretschmer aus Thale (Sachsen-Anhalt) kam bereits schwer alkoholisiert in Goslar an. Im Anschluss an die Demonstration wurde er kurzzeitig in Gewahrsam genommen, weil er vor den Augen der Polizei den verboteten Hitlergruß zeigt. Kretschmer ist Kandidat für die Neonazipartei “Die Rechte” zur kommenden Europawahl.
Um den kleinen Aufmarsch eindrucksvoller und länger erscheinen zu lassen, wurden Dreierreihen gebildet.
Mitglieder von “Die Rechte Nordrhein-Westfalen” solidarisierten sich erneut mit der inhaftierten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel.
Die ohnehin sehr kurze Route führte lediglich durch dünn bewohntes Gebiet.
Der Wilhelmshavener Neonazi Jens-Malte Hillers, eigentlich eher Spezialist für Körperverletztung statt für Erste Hilfe, tritt nun ebenfalls als “Nordland”-Sanitäter in Erscheinung.
Im Vorjahr machte der “TDDZ” Station in Karlsruhe. Die Organisator*innen aus dem Vorjahr reisten auch nach Goslar an.
Die Führungskader Sven Skoda (Düsseldorf) und Sebastian Schmidtke (Berlin)
Um das Redeverbot für Dieter Riefling zu umgehen, verlas Benjamin Krüger eine von Riefling geschriebene Rede.
Im Laufe der Abschlusskundgebung wurde verkündet, dass der “TDDZ” 2019 im sächsischen Chemnitz stattfinden wird. Ob der Zuspruch im kommenden Jahr weiter schwinden wird, bleibt abzuwarten.
Im Laufe des Tages wurde bekannt, dass Dieter Riefling für die Neonazis noch eine Kundgebung in Hildesheim angemeldet hat. Die Polizei sperrte auch einen Bereich vor dem Bahnhnof ab, jedoch sorgten viele Antifaschist*innen dafür, dass der Bahnhof blockiert wurde und die geplante Neonazikundgebung nicht stattfinden konnte. Alles in allem ein enttäuschender Tag für die Neonazis.
Die anwesende Polizei ging teilweise rabiat vor. Die Blockade löste sich schlussendlich von selbst auf als klar war, dass es keine Neonaziaktion in Hildesheim geben würde.
Zitieren
Recherche Nord: Tag der deutschen Zukunft in Goslar, Goslar, 02.06.2018.
Recherche Nord, recherche-nord.com. https://recherche-nord.com/gallery/2018-06-02/